Bühnenstar wird arbeitslos
Mo., 06.02.2012
English Drama Group über die Emanzipation der Frau – aus Sicht der Männer
Die Welt ist in Ordnung für Schauspieler Edward Kynaston (Frank Bonczek, vorne). Noch darf er nämlich Othellos Frau Desdemona spielen.
Münster -
Cromwell ist tot, die freudlosen Puritaner entmachtet, und Charles II., „The Merry Monarch“, ist König. Die Theater in London eröffnen wieder, das Publikum strömt. Denn endlich dürfen auch Frauen auf die Bühne, vom Publikum frenetisch gefeiert. Nur Edward Kynaston, vor Kurzem noch umjubelter Star in Rockrollen und Gast der adligen Salons, ist plötzlich arbeitslos.
|
|
Männerrollen aber mag Kynaston (Frank Bonczek) nicht spielen, schließlich ist er doch Desdemona, Ophelia oder Lavinia auf der Bühne. Das Publikum verlacht und beschimpft den ehemals großen Star, gedungene Wegelagerer verprügeln ihn brutal, sein Liebhaber verlässt ihn.
Ein Stoff nicht nur für den Film, auch fürs Theater also – und die English Drama Group (EDG) setzte ihn mit „Compleat Female Stage Beauty“ am Sonntagabend in der Studiobühne mitreißend um.
Der Held erlebte tiefste Identitätskrisen – und zotige Programme in schäbigen Spelunken (von der EDG witzig dargeboten). Bis er sich schließlich mit Männerrollen anfreunden kann.
Am Ende erwürgt er als Othello fast genüsslich jene „Desdemona“ Margret Hughes (Sarah Giese), die die ganze Sache ins Rollen gebracht hat. Selbstverständlich nur auf der Bühne, und er drückt nur ein ganz kleines bisschen fester zu als es vielleicht nötig gewesen wäre ...
Die EDG-Inszenierung ist ein rundes Spiel – ein langes Stück ohne jede Längen aus interessanter Perspektive. Denn das Stück erzählt von der Emanzipation der Frau auf den Theaterbrettern aus der Sicht der Männer, die dadurch ihre Lebensaufgaben verloren haben.
Die nächsten Termine
Das Stück ist am Freitag (10.2.), Samstag (11.2.) und Sonntag (12.2.) jeweils 20 Uhr in der Studiobühne zu sehen.
Autor Jeffrey Hatcher hat das Spiel, basierend auf historischen Fakten, in ein erfolgreiches Theaterstück verwandelt, das auch schon verfilmt worden ist. Die English Drama Group brachte es (in der Regie von Iris Adamzick) nun mit großer Spielfreude auf die Bühne.
Wenige Requisiten, ein bisschen Musik Henry Purcells, ein einstudierter barocker Tanz und Kostüme nach historischem Vorbild staffierten das Stück um die Frauenemanzipation auf der Bühne ansprechend aus. Die Zuschauer waren gefangen von der Dramaturgie, litten mit dem Helden Kynaston und lachten über die vielen Gags am Rande.
Allerdings ist die Studiobühne bei winterlichen Minusgraden kein ganz behaglicher Ort. Wie gut, dass Wolldecken fürs Publikum ausgelegt sind.
