Viel Spaß und wenig Politik

Mi., 01.02.2012

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Kunstakademie Münster lädt wieder zum Rundgang auf den Leonardo Campus

Münster - Ganz menschlich geht es an der Kunstakademie zu, wenn man Schiller folgt: „Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.“ Ganz Mensch? Nun, diesmal fehlt so einiges dazu. Denn das Politische und Kritische muss der Besucher des Rundgangs 2012 auf Münsters Leonardo Campus suchen. Dafür findet er überraschend viel Spiel und Sex.

Von Gerhard H. Kock

Beides verbindet sich beim „Minigolfklub Süd-Ecke“. Den hat die Klasse Löbbert als Gemeinschaftsarbeit produziert. Jede der 14 Bahnen ist als Kunstwerk gestaltet, und die Besucher sind aufgefordert, um einen absurd unprotzigen Pokal zu spielen. Es gibt schöne Bahnen wie den Pailletten-Hindernislauf, skurrile wie die Matratze als Bahn mit Knopf – und natürlich sexuelle. Hier wird ein Bein zum Schläger. Und manch scheinbar harmlose Bahn entpuppt sich als fies: Eine Eisenkugel muss einfach ins Loch, doch unter der Bahn befinden sich Magnete.

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Apropos Klassenarbeit: Die Klasse Daniele Buetti hat einmal mehr eine einzige raumfüllende Position entwickelt – diesmal eine subversiv akustische. Wer sich in den Schallraum mit Eierkarton-Tapete begibt, hört Stimmen. Lyrik, Prosa und Texte halt. Während der 17 Minuten aber sprechen keine Menschen. Hier sind synthetische „Ghostreader“ am Werk, wie sie viele vom Navi oder den SMS-Nachrichten kennen. Nur bei den Künstlern ist die Maschine vom Menschen nicht zu unterscheiden – es könnten Rezitatoren sein. Verblüffend. Beängstigend.


Auf scheinbar sicherem Terrain bewegt man sich in den Malklassen. Die Wände hängen voller Gemälde. Doch Vorsicht: In der Klasse Klaus Merkel sind auch die Wände Gemälde – Gemälde von weißen Ausstellungswänden. Dreidimensional hat auch Johanna Becker aus der Klasse Cornelius Völker ihre Malerei angelegt. Mit ihrem „göttlichen Garten“ stellt sie die Frage nach dem Göttlichen.

Lebensnah geht es einmal mehr in der Klasse Lili Fischer zu, wo Julia Warnecke „Mitesser“ in den Tellboden gemalt und Julia Sasse Kekse mit Kunstkern gebacken hat. Wenn das kein Glück bringt! Hanna Kiers „6 Freunde“ kauern unscheinbar im Flur: alte graue Hasen aus Beton. Sie könnten ebenso übersehen werden wie jene Kochplatte, die in der Klasse von Ayşe Erkmen in einem Waschbecken steht. Doch spätestens wenn es hier zischt, fällt auf, dass die Platte heiß und das Becken auffällig sauber ist. Zufällig ist eben nichts in Räumen, wo sich Künstler künstlerisch betätigen. Wem nach so viel Kunst nach Ruhe ist, dem sei Sujin Seo aus der neuen Klasse Aernout Mik empfohlen. Sie hat im Ostflügel eine Art „Überirdisches Licht“-Solarium gebaut. Wer sich hier niederlegt, dem öffnen sich Türen, und ihm erscheint ein magisches Licht.

Die Kunstakademie Münster, Leonardo Campus 2, ist am Freitag, Samstag und Sonntag (2. bis 5. Februar) von 10 bis 20 Uhr geöffnet.


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