WG wird zum Museum
Di., 07.02.2012
Projekt „Vier Wände“: Künstler stellen ihre Werke in ganz normalen Wohnungen aus
Münster -
Münster - Ein Bild fühlt sich im Museum bestimmt oft allein. Der Abstand zum Nachbarn ist groß – und die Distanz zum Zuschauer noch größer. Als wäre das nicht schlimm genug, werden die Zeichnungen und Aquarelle Tag um Tag mit gerunzelter Stirn angeschaut, denn sie werden oftmals gar nicht verstanden. Diesen Zustand wollen Isabelle Klein, Benjamin Bertram und Birte Kohring ändern. Sie geben der Kunst auch Raum, aber in privaten vier Wänden. Am Sonntag fand ihre Ausstellung in einer Studenten-WG am Alten Steinweg statt.
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Kurz bevor die Vernissage beginnt, räumen die drei noch schnell ihre Pizzakartons weg. Isabelle stellt in der Küche das Bier kalt und bereitet Schnittchen für die Gäste vor, während Birte mit Heidi, einer der WG-Bewohnerinnen, noch eine Zigarette raucht. Um sie herum hängen einige der Bilder des Künstlers André Plonski – und zwar kuschelig nah beieinander. Fast alle Werke des Künstlers stehen unter dem Motto „Puppentheater“. Seinen Faible für dieses Thema erklärt er so: „Der Mensch ist nur er selbst, wenn er in einem Raum ohne eine Art Spiegel ist. Sonst trägt jeder eine Maske.“ Vor allem Modepuppen würden Frauen seit der Industrialisierung dazu auffordern, sich zu gestalten und damit zu konstruieren.
Zwischen den Püppi-Porträts hängt auch eine Montage aus sechs runden Holzplatten. Gemeinsam bilden sie das Gesicht einer Frau. Weil die Einzelstücke aber nicht haargenau aneinander anliegen, wirkt sie unperfekt und damit natürlich. Der lange Wohnungsflur füllt sich innerhalb weniger und zwischen den Stimmen der Besucher hallen Elektrobeats durch den Raum. „Fast jedes Mal sind ein DJ und eine Band dabei. Manchmal bringen Besucher auch eigene CDs mit oder jemand spielt spontan Gitarre“, erzählt Benjamin, der seit der neunten Ausstellung mit von der Partie ist.
Der Wohnzimmer-Charme soll immerhin auch ausgereizt werden. Nicht nur in Münster spricht sich das Projekt herum. Studenten aus Frankfurt haben bereits nachgefragt, ob sie das Format übernehmen können. Einsame Bilder werden es ihnen danken. Die Ausstellung läuft noch bis einschließlich Sonntag (17 bis 20 Uhr, Alter Steinweg 41).