Gedichtfahnen mit lyrischem Knoten
Text-Installation von Jutta und Jan-Christoph Tonigs im Botanischen Garten

Münster -

Wie gut, dass die Bienen ihren Reinigungsflug schon hinter sich haben. Denn die erleichtern sich rätselhafterweise bevorzugt auf weißen Flächen, die die Imkerfrau im Frühjahr an die Wäscheleine hängt. Im Botanischen Garten hängt seit gestern Wäsche meterlang herum. Was von der Ferne nach Socken und Servietten oder tibetischen Gebetsfahnen in Weiß aussieht, klärt sich bei näherem Hinsehen als Buchstabenreihe auf. „Zieh mich dir nach, so wollen wir laufen“ heißt die literarische Installation des Künstlerpaares Jutta und Jan-Christoph Tonigs aus Münster.

Montag, 02.04.2012, 18:04 Uhr

Gedichtfahnen mit lyrischem Knoten : Text-Installation von Jutta und Jan-Christoph Tonigs im Botanischen Garten
Das Künstler-Ehepaar Tonigs ruderte gestern an seinem Hochzeitstag auf den Teich des Botanischen Gartens, um die gemeinsame Kunstinstallation fertigzustellen. Foto: Gerhard H. Kock

Als das Zehnjährige vom Kulturgut Haus Nottbeck im vorigen Jahr anstand, war Jutta Tonigs die Idee zur Kombination aus Literatur und Skulptur gekommen. Um ein Vielfaches erweitert, flattern nun in Münsters vielfältigstem Garten poetische Passagen im Wind. 3000 Buchstaben haben die Tonigs aus alten Stoffen geschnitten. Die Mutter von Jan-Christoph Tonigs opferte gar ihre Aussteuer. Die Maßschneider-Klasse am Anne-Frank-Berufskolleg hat die Buchstaben zu Wörtern und Sätzen an die Kordeln genäht. Die Verse handeln von Liebe und Garten. Salomons „Hohelied“ ist ebenso dabei wie Christa Wolf , Poetry-Slammer Frank Klötgen ebenso wie Jutta Tonigs. Und auch Goethe darf nicht fehlen und ist aus Trockentuch geschnitten: „Trittst du im Garten hervor, so bist du die Rose der Rosen“, dichtete der alte Schwerenöter. Die Textstränge laufen zusammen, treffen sich in einem Knoten überm Teich, von wo aus ein Strang quer übers Wasser führt, um sich am anderen Ufer wieder aufzuspleißen. Von einem Satelliten aus wäre eine stilisierte Nervenzellen zu erkennen, versichern die Künstler. Wer für das entziffernde Schlendern nicht die Muse hat, der kann sich die Zitate auch anzeigen lassen. Für Handy-Besitzer gibt es am Ort QR-Codes (ähnlich wie Barcodes), über die die Texte abrufbar sind. Für Deutschlehrer und Fehler-Fuchser: Mindestens ein Rechtschreibfehler ist auch unter den Hunderten von Wörtern, verraten die Künstler. Die Vernissage findet am Dienstag (3. April) um 16 Uhr im Botanischen Garten hinterm Schloss statt. Die Fahnen wehen bis zum 18. April im Wind. Die Texte sind auch im Internet abrufbar.  | www.fundbureau.org

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