Mi., 09.05.2012

DDR kritisiert „Trabbi Trostlos“ Christian Eisert in der Studiobühne

DDR kritisiert „Trabbi Trostlos“ : Christian Eisert in der Studiobühne

Christian Eisert erläuterte wissbegierigen Germanisten, wie man für Harald Schmidt Witze und für „Sexy Sportclips“ Moderationen schreibt. Foto: Arndt Zinkant

Münster - 

Neulich war Münster bei Harald Schmidt mal wieder ein Thema. Es ging um alkoholisierte Radfahrer, denen die Polizei das Handwerk legen will. Der Latenight-König holt grinsend aus: „Manche Radfahrer sind so besoffen – die halten sogar bei Rot an. Oder, wie wir Autofahrer sagen: Leichte Beute.“ Die Witzmechanik, die Schmidt beim Stand-up pflegt, kennen die Autoren wie die Fans in- und auswendig.

Von Arndt Zinkant

Mechanik? Natürlich. Denn das ist die Kernaussage von Christian Eiserts Vortrag: Schreiben ist Handwerk. Sei es ein Drehbuch, ein Werbe-Slogan oder eine verschmitzte Zote aus dem Munde Schmidts. Eine wichtige Lektion für die interessierten Germanisten in der Studiobühne, die den Comedy-Profi und „Coach“ Eisert eingeladen hatten. Um „Schreiben für Andere“ dreht sich die Vortragsreihe „Germanistik im Beruf“. Eiserts Anekdoten können zwar den Studis alle romantischen Flausen vom Autoren-Ruhm austreiben – einen Riesenspaß scheint ihm sein Job aber doch zu machen. Seine Jobs sind kaum noch überschaubar. Bei Schmidt ist Eisert nur einer von 30 Gag-Lieferanten, auch für Kaya Yanar („Was guckst du?!“) hat er schon getextet. Seine Bücher heißen „Fun Man“ oder „Tacho Man“. Das erste Schreibseminar besuchte er in der DDR schon mit neun (!) Jahren. Als er kurz vor der Wende bei einem Schülerwettbewerb „Trabbi Trotzig“ gegen „Trabbi Trostlos“ antreten ließ, warf ihm der Schulleiter „Verunglimpfung des Volksgefährts Trabant“ vor. „Den Wettbewerb hab’ ich trotzdem gewonnen“, grinst der Schelm zufrieden. Apropos zufrieden: „Wünschen Sie sich manchmal, selbst auf der Bühne zu stehen?“, will eine Studentin wissen. Nein! Die vor der Kamera beneidet Eisert nicht. Die kriegen immer alles ab. 85 bis 120 Euro ist „dem Harald“ ein Witz wert. Schmidt ist reich, Eisert lebt ganz gut. Schon seine Magisterarbeit (Theaterwissenschaft) hat er über die Show geschrieben und Schmidts damaligen Adlatus Manuel Andrack interviewt. Trotzdem war es nicht leicht, als Autor reinzukommen. Momentan schreibt er für die nachmittägliche „Shopping Queen“ Off-Texte. Für Onliner seien Alliterationen wichtig („Die trainierte Tänzerin treppt treppauf“). Und wieder ist er beim Handwerk: Ob er nun Moderationen für die textilfreie Che­yenne Lacroix bei den „Sexy Sportclips“ ersinnt oder einen Witz für die Sesamstraße – „vom Aufbau her ist es dasselbe.“

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