Di., 17.07.2012

Als Frauen nachts die Golfplätze ruinierten George McKay in der Freien Gartenakademie

Als Frauen nachts die Golfplätze ruinierten : George McKay in der Freien Gartenakademie

Noch vor dem „documenta“-Publikum stellte Prof. George McKay den Besuchern der Freien Gartenakademie sein „Radical Gardening“ vor. Foto: heh

Münster - 

George McKay hat eine Menge Fakten gesammelt, bebildert und in eindringliche Worte gefasst. Sein Buch „Radical Gardening: Politics, Idealism and Rebellion in the Garden“ hat diese provokanten, amüsanten, stets wissenswerten Dinge parat. Beispielsweise wie die Suffragetten Anfang des 20. Jahrhunderts bei Nacht und Nebel Golfplätze, die als männliche grüne Refugien galten, ruinierten und so mit antigärtnerischen Mitteln Politik in ihrem Kampf für die Gleichberechtigung der Frauen machten.

Von Heike Eickhoff

Der Garten oder die Gartenarbeit ist und war immer auch politisch gefärbt, weiß McKay, um dann wortspielerisch mit „Widerstand ist zwecklos“ die Fruchtbarkeit der Gegenwehr zu loben: „Resistence is furtile“. Das nasse Wetter zwang die Besucher der Gartenakademie zum Vortrag in das arg vom Sturm gebeutelte Zelt des Schrebergartenvereins. Wilm Weppelmanns neues weißes Regenzelt, ein Stück außerhalb seiner grünen Parzelle aufgebaut, war schlicht mit Regenwasser vollgelaufen und deshalb ebenso wenig einsatzbereit wie der schöne Garten. Für Weppelmann und McKay bedeutete das einen zweimaligen Umzug mit Mikrofon, Beamer, Leinwand und Lautsprechern kurz vor Veranstaltungsbeginn. McKay trug es mit Fassung und erklärte augenzwinkernd, er habe ein „bisschen Wetter aus Manchester mitgebracht“. Der Gartenrebell buhlt nicht um die Gunst des Publikums, sondern liest ruhig aus seinem Buch. Nur manchmal streut er eine kleine Anekdote ein, wie die von seinem alten Apfelbaum: Diese Apfelsorte habe man im 19. Jahrhundert gezüchtet, aber sein Baum blühe nicht und trage auch keine Früchte – „kein Wunder, dass diese Sorte ausgestorben“ sei. Ein Dia zeigt eine Statue Churchills mit aufgesetztem Rasenstück auf dem mächtigen Schädel: Churchill mit grüner Irokesenfrisur, umgeben von Cannabis-Pflanzen. Auch dies ein Beispiel für radikale Ideen, die durch das Gärtnern transportiert werden. Friedensgärten, oft einem Thema wie den Opfern von Hiroshima gewidmet, sind ebenfalls auf den Dias, und wieder bekommt der politische Gartenansatz eine andere Dimension. Die weiße britische Mohnblüte als Friedenssymbol im Kon­trast zur offiziellen roten wurde erwähnt, ebenso die Blumen im Haar, „if you‘re going to San Francisco“. Nach seinem Vortrag in der Gartenakademie reist George McKay zur „ documenta “ nach Kassel, wo er ebenfalls sprechen wird.

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