Saisoneröffnung im Pumpenhaus
Ziemlich seelenlose Paare

Münster -

Olga Pona, die preisgekrönte, russische Choreografin aus dem Ural, ist in Münster längst keine Fremde mehr. Mit ihrer eigenwilligen Bewegungssprache begeistert ihr „Chelyabinsk Contemporary Dance Theatre“ das Publikum seit Jahren. Entsprechend voll besetzt war das Pumpenhaus zur Europa-Premiere von „Catching the Waves“, einem Tanzabend, der die neue Spielzeit des Hauses eröffnete.

Sonntag, 15.09.2013, 16:09 Uhr

Vermittelte uns die Choreografin in ihren vergangenen Stücken einen Eindruck vom Lebensgefühl in ihrer Heimat, wenn sie die nach einem Nuklearunfall radioaktiv verstrahlte Umwelt der russischen Provinz Chelyabinsk thematisierte oder gesellschaftliche Identitätskrisen ins Rampenlicht rückte, so verzichtet Olga Pona diesmal auf Erzählung und Inhalt. Laut Programm geht es stattdessen um die Tänzer und ihre Beziehungen untereinander.

Aus dem Off tönen Stichworte auf Englisch: „Hot Dog“, „Playground“ (Spielplatz) „Sunshine“ (Sonnenschein) – Alltagsimpressionen, die fünf Tänzer in bunten T-Shirts und Jeans mit kantigen Bewegungen kommentieren. Sechs junge Frauen treten auf, imponieren durch hohe, schnelle Beine und rasche Wendungen. Ihr Tanz hat etwas von Streetdance, die Figuren wirken modern und kühl wie Models. Das ändert sich auch nicht, als zwei Paare auftreten. Ineinander verschränkt, rollen sie über den Boden. Mal scheint die Frau wie eingeschlossen zwischen seinen Armen, mal drückt er sie weg. Wenn ihm die Tänzerin auf dem Rücken sitzt oder auf seinem Schoß kauert, scheinen sie auf Gedeih und Verderb miteinander verbunden, wie auch in Momenten, in denen Tänzer ihre Partnerinnen unter die Arme klemmen oder über die Bühne schleifen. Weitere Paare treten auf, agieren ähnlich, dann entwickelt sich kaum noch etwas. Es gibt wenig Höhepunkte in dieser gleichförmig wirkenden Choreografie; dass Olga Pona diesmal kaum mit Licht arbeitet, auf Requisiten und Bühnenbild verzichtet, macht die Aufführung im Pumpenhaus nicht besser. Das Ensemble zeigt sich zwar athletisch und biegsam, es fehlt jedoch an tänzerischer Dynamik, choreografierter Szene oder persönlichem Ausdruck, um die Paarbeziehungen mit Leben zu füllen. So wirken die Tänzer letztlich seelenlos.

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