Abattoir Fermé mit „Ghost“
Im Unterleib der Südstaaten

Münster -

Mit „Ghost“ zeigte das Theater im Pumpenhaus am Wochenende ein verstörendes, perfekt durchgeplantes Porträt des Südens Amerikas. Das Künstlerkollektiv Abattoir Fermé unter der Regie von Stef Lernous zeichnete darin das Bild einer stereotypen Gesellschaft, bestehend aus einer Parade von Zombies, mutierten Körpern und stark geschminkten Gesichtern. Die deutsche Erstaufführung ließ die Zuschauer sprachlos zurück und wirkt gerade deshalb so intensiv.

Sonntag, 13.10.2013, 17:10 Uhr

Schrecken und Furcht vermittel dieser Geist.
Schrecken und Furcht vermittel dieser Geist. Foto: Pumpenhaus

Eine in Kunstnebel gehüllte und mit großen Farnen bepflanzte Bühne. In der linken Ecke ein schäbiger Bretterverschlag, in der Luft das Summen von Insekten und der Duft von Morast. Willkommen im dunklen Süden Amerikas , willkommen im Unterleib der Vereinigten Staaten. „ Ghost “ zeigt eine Parade von Zombies mit mutierten Körpern und weiß geschminkten Gesichtern, die amerikanische Stereotype verkörpern sollen. Der glatzköpfige Perversling, die „Big Mama“, die Südstaatenschönheit oder das orientierungslose Scheidungskind – diese Rollen kennt jeder aus Film und Fernsehserien.

In „Ghost“ schlüpfen die enorm wandlungsfähigen Darsteller Kirsten Pieters , Tine Van den Wyngaert, Chiel van Berkel und Çaglar Yigitogulları von einer Rolle in die andere. Dabei skizzieren sie das Bild einer undurchsichtig verwobenen und sich selbst reproduzierenden Gesellschaft, in der alle Charaktere letztlich austauschbare Elemente eines Kollektivs sind. Individualismus wird im Keim erstickt, das Aufbegehren einzelner Charaktere gegen die kollektiven Regeln erschlagen.

Das 1999 im belgischen Mechelen gegründete Künstlerkollektiv Abattoir Fermé macht Theater über fundamentale Ängste, Verlangen und Obsessionen, die der Mensch rationalisieren will. Die Aufführungen wagen einen schonungslosen Blick auf die Essenz seiner Subjekte. Inspiriert von einem Road-Trip durch Georgia, Alabama, Mississippi und Louisiana entstand „Ghost“. Das ikonische Südstaaten-Porträt überzeugte einerseits mit starken Bildern und einer gewaltigen Geräuschkulisse. Andererseits lässt es seine Zuschauer am Wochenende sprachlos und mit vielen Fragen zurück. Das ist gewollt.

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