Do., 14.11.2013

Kleines Mädchen – großes Interesse Veranstaltungsreihe zu „Anne Frank“ im Haus der Niederlande eröffnet

Auf großes Interesse stieß der Auftakt der „Anne Frank“-Reihe im Haus der Niederlande, zu dem der Historiker David Barnouw sprach.

Auf großes Interesse stieß der Auftakt der „Anne Frank“-Reihe im Haus der Niederlande, zu dem der Historiker David Barnouw sprach. Foto: Heike Eickhoff

Münster - 

„Ist Anne Frank eine literarische Autorin? Ist Anne Frank die Ikone des Holocaust? Kann man sechs Millionen ermordeter Juden dem Mädchen Anne Frank auf die Schulter bürden?“ fragte David Barnouw am Mittwoch im Eröffnungsvortrag der Reihe „Deine Anne. Ein Mädchen schreibt Geschichte“ im Haus der Niederlande. Jeder Stuhl und alle Winkel der Bibliothek waren zur Eröffnungsveranstaltung besetzt – das Interesse an Anne Frank ist knapp 70 Jahre nach ihrer Ermordung ungebrochen. Der Historiker Barnouw ist „Anne Frank“-Experte, hat mehrere Bücher zum Thema veröffentlicht und ist im Rijksinstituut voor Oorlogsdocumentatie tätig. Dort befinden sich die Originaltagebücher, die Vater Otto Heinrich Frank dem Institut hinterließ.

Von Heike Eickhoff

Das Zentrum für Niederlandestudien hat die aktuelle Ausstellung sowie die Veranstaltungsreihe zu Anne Frank , gemeinsam mit der Landeszentrale für politische Bildung, der Bezirksregierung Münster , der Stadt Münster, der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Münster e.V. und dem Geschichtsort Villa ten Hompel organisiert. Bis März finden nun Veranstaltungen an vielen Orten der Stadt Münster statt.

David Barnouw setzte sich auch kritisch mit der „Anne Frank“-Rezeption auseinander. Vom ersten Erscheinen der Tagebücher 1947 in den Niederlanden bis zur noch druckfrischen kritischen Gesamtausgabe referierte er kurz über Ausgaben, Filme und Musicals. Die Rechte an der Tagebüchern erlöschen 2015, sodass diese Gesamtausgabe das Werk quasi vor schlechten, verzerrten Ausgaben schützen wird.

Barnouw berichtete von den juristischen Auseinandersetzungen der drei Institutionen, die sich mit dem Nachlass der Anne Frank oder eben dem Hinterhaus, in dem die Familie versteckt lebte, beschäftigen. Ein Lächeln konnte er sich nicht verkneifen und betonte, dass sein Institut sich wohlweislich „in der Mitte“ zwischen den Kontrahenten aufhalte. Eine makabre Debatte. Die „Anne-Frank-Industrie“, die Theater, Musical und Film um die Tagebücher herum produzierte, rügte er am Rande, gab aber auch zu Bedenken, dass diese vielgestaltigen Zugriffe auf das Thema „Anne Frank“ jeder neuen Generation eigene Möglichkeiten des Zugangs eröffnen.

Am Ende nutzten die vielen Zuhörer die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Warum Anne Frank denn niederländisch schrieb oder wer die Familie denunziert habe, wollte man wissen. Niederländisch schrieb Anne, da sie schon als sehr kleines Kind in die Niederlande kam, den Denunzianten werde man aber wohl nie einwandfrei feststellen könne, erläuterte David Barnouw.

Zum Thema

Am 26. November um 19 Uhr wird die Reihe mit dem Konzert „Musik der Zeitgenossen Anne Franks“ in der Musikhochschule am Ludgeriplatz fortgesetzt.

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