So., 10.11.2013

Wagners „Ring“ für Kinder Der Drache hat keine Chance

Münster - 

Was ist die größere Kunst: Richard Wagners 16-stündige Ring-Tetralogie auf eine Aufführungsdauer von unter einer Stunde zu bringen, Musik für über 100 Instrumente auf ein Klavier zu reduzieren oder die verstrickte Handlung für Menschen ab acht Jahren in Szene zu setzen? Das Problem ist zwar knifflig, lässt sich aber – wie der gordische Knoten – ganz leicht lösen: keine Ahnung, aber wohlgelungen waren alle drei Komponenten. In der ausverkauften Premiere im Theatersaal der Meerwiese wurde der Beweis angetreten.

Von Michael Schardt

Gutgetan hat der stringenten und gesanglich auf hohem Niveau stehenden Interpretation der weitgehende Verzicht auf fast alle episch-narrativen oder ausufernden dialogischen Sequenzen der Vorlage. Nur das zum Verständnis Nötigste wurde in ein, zwei Sätzen erzählt, wobei auf den eingängigen Stabreim des Librettos nicht verzichtet wurde. Sonst regierte die mit hohem Wiedererkennungswert behaftete, leitmotivische Musik, die Ralf Soiron am Piano schwungvoll intonierte, sowie das gesanglich-darstellerische Spiel von Christine Hoffmann (Wellgunde, Brünnhilde), Javier Alonso (Loge, Siegfried), Achim Hoffmann (Wotan) und Christian Palm (Alberich, Fafner, Hagen ) in der kurzweiligen Inszenierung von Alexander Becker .

Hilfreich zum Verständnis des jungen (und weniger jungen) Publikums war der Rückgriff auf nur wenige, aber handlungsreiche Schlüsselszenen aus Wagners Stücken, die sich um Verbrechen , Macht, Liebe und Tod drehen. „Wir haben uns auf die Fantasy-Story konzentriert und uns frei bei Wagner bedient, wie der sich in der germanischen Sagenwelt bediente“, fasst Regisseur Becker sinngemäß zusammen.

Vorherrschende Farben der Bühne und Kostüme (Nora Franzmeier) waren Gelb und Gold, die schon in der Eingangsszene des „Rheingold“ und bei der Götterburg Walhall dominierten. In der oft düsteren Handlung gab es auch heitere Bilder. So fanden die jüngsten Besucher den Auftritt des Drachen recht spaßig, der mit zwei riesigen Scheinwerferaugen in den dunklen Raum „blickte“, sonst aber nicht zu erkennen war und selbstverständlich gegen Held Siegfried den Kürzeren zog. Applaus, der nicht enden wollte und sich in Getrampel steigerte, war für alle Beteiligten der verdiente Lohn nicht geringer Mühen. Letztlich dürfte die Begeisterung der Kids auf die sinnliche Darbietung zurückzuführen sein. Auch wenn sie vielleicht nicht all die komplizierten Zusammenhänge begriffen.

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