Rehbock sucht neues Revier
Die Künstlerin Luzia-Maria Derks hofft, einen anderen adäquaten Standort für ihre Skulptur zu finden

Münster -

Er hat sein optimales Revier eigentlich schon gefunden – im begrünten Innenhof des Stadtwerke-Gebäudes am Hafenplatz. Dort springt er seit Anfang Dezember durch das winterlich-lichte Grün. Doch ihm droht Vertreibung. Denn die Stadtwerke haben dem Kunstwerk nur für die Dauer von drei Monaten Quartier gewährt. Anfang März muss die Skulptur weichen. Und Schöpferin Luzia-Maria Derks fragt sich bereits: „Wo bleibt der Rehbock?“

Donnerstag, 16.01.2014, 10:01 Uhr

Noch hat  der „Springende Rehbock“ von Künstlerin Luzia-Maria Derks sein Revier im Innenhof des Stadtwerke-Gebäudes.
Noch hat  der „Springende Rehbock“ von Künstlerin Luzia-Maria Derks sein Revier im Innenhof des Stadtwerke-Gebäudes. Foto: Noppeney

Keine Frage: Die Künstlerin, die 1988 nach Münster kam, hätte es gern, wenn das Wildtier in dem Innenhof bleiben könnte. Dort hat es ein begrüntes Umfeld, ist es durch die Verglasung zum Albersloher Weg hin gut sichtbar – vor allem nachts, wenn der „Springende Rehbock “ beleuchtet ist. Und er ist geschützt vor Vandalismus. Auch das ist Derks wichtig. Doch Pressesprecherin Petra Willing kann der Künstlerin am Mittwoch keine Hoffnungen machen. Die Stadtwerke kaufen keine Kunstwerke an. Zu groß sei die Zahl der Offerten, so Willing.

2012 hat Luzia-Maria Derks den hübschen Rehbock für die Ausstellung „Sense“ auf Haus Stapel in Havixbeck angefertigt. Die Künstlerin, geboren in Goch am Niederrhein, ist bekannt dafür, mit Abfallprodukten zu arbeiten. Im Foyer des Theaters in Münster etwa hängt eine von vielen Besuchern geschätzte Arbeit von ihr – ein Fenster aus leeren Pillenblistern. Der Rehbock, der hier so munter über Stock und Stein hüpft, verdankt sein Innenleben einer Fülle von alten, grellbunten Einwegfeuerzeugen.

Derks ist Nichtraucherin. Die Feuerzeuge, so erzählt sie, sind eine Spende eines Atelierkünstlers aus dem Kunsthaus Kannen in Amelsbüren. Als Derks dort 2002 unter dem Titel „Kleid Fenster Haus“ Arbeiten ausstellte, „kam er auf mich zu und übergab mir eine ganze Einkaufstüte mit alten Feuerzeugen. Mit der Bitte, vielleicht mal was daraus zu machen“.

Geraume Zeit später nahm sie das Projekt in Angriff – mit Unterstützung von Egon Kruse aus Emsdetten. Inspiriert durch die Verkehrszeichen, die vor Wildwechsel warnen, und durch die Tatsache, dass weggeworfene Zigaretten in Deutschland die meisten Waldbrände verursachen, entwickelte sie den „springenden Rehbock“, den Kruse in eine transparente Hülle aus schlag- und kratzfestem Polycarbonat goss. Derks füllte diese mit den gespendeten Feuerzeugen und LED-Leuchtmitteln aus.

Nun, wie gesagt, sucht sie eine neue Heimat für die Skulptur. Entweder durch Verkauf oder als Leihgabe. „Vielleicht könnte der Rehbock als Hinweis für öffentliche Raucherbereiche dienen“, sagt Derks nicht ganz ernst gemeint. Womit sie aber einer Projektidee für die Zukunft vorgreift: Sie würde gern die Raucherbereiche auf Bahnsteigen wirkungsvoller präsentieren. Durch mit alten Feuerzeugen aufgefüllte schmale Bodenschächte, die jene hässlichen Klebebänder ersetzen könnten, die bislang die Areale abgrenzen. Wenn sie nur grünes Licht aus Berlin bekommt ...

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Luzia-Maria Derks ist über ✆  132 17 22 in Münster erreichbar oder online unter „lm-derks@muenster.de“. 

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