Do., 06.03.2014

Ateliergemeinschaft Bremsenprüfstand in der Stadthausgalerie Merkel und Tebartz-van Elst im Lichtkasten

Vier Mal Matthias Zölle: Der münsterische Fotograf hat sich mit Protagonisten der Bühne „Öffentlichkeit“ beschäftigt, wie (v. l.) Franz-Peter Tebarz-van Elst, Superman und Angela Merkel.

Vier Mal Matthias Zölle: Der münsterische Fotograf hat sich mit Protagonisten der Bühne „Öffentlichkeit“ beschäftigt, wie (v. l.) Franz-Peter Tebarz-van Elst, Superman und Angela Merkel. Foto: Gerhard H. Kock

Münster - 

Nicht nur das Leben ist eine Bühne, auch die Kunst. Und die ist schräg. Ein schwarzer Trichter führt durchs Gegenlicht zur Kunst gleichsam wie ein Tunnel in ein Jenseits. Die sieben Künstler der Ateliergemeinschaft „Bremsenprüfstand“ stellen erstmalig außerhalb ihrer Räume aus und gestalten dabei gleich mit einer raumgreifenden Gemeinschaftsinstallation die Stadthausgalerie um.

Von Gerhard H. Kock

Der Besucher soll die schräge Bühne hinaufgehen auf das Licht zu. Kurz davor findet er eine kleine Treppe. Gleich um die Ecke hängt eine Projektion von Henri Unsenos, die den Besucher zum Objekt der Betrachtung macht. Von einem Video blicken ihn (jüngst aufgenommene) Zuschauer aus dem Pumpenhaus an. Mit einer minimalistischen Dreiecks-Skulptur greift Werner Rückemann die Formsprache der Bühne auf.

Und dann fällt der Blick auf eine gelbe Form, die unschwer als Po zu erkennen ist. Stefan Rosendahl vergrößert Teile des Körpers im Verhältnis eins zu acht. Die Farbe hat er intuitiv gewählt. Doch als Schüler von Katharina Fritsch habe ihn das unbewusst vielleicht an die gelbe „Madonna“ erinnert, mit der Fritsch bei den Skulptur-Projekten 1987 an der Dominikanerkirche für Furore sorgte, zumal die Figur entführt und mehrfach beschädigt wurde . . .

Dem Hintern gegenüber hat Jaimun Kim auch eine Bühne aufgestellt: In einer Nasszelle thront ein Klo mit Spülung auf einem Podest. Hier wird das Intime zum öffentlichen Raum. Denn wer den Duschvorhang öffnet, blickt in die Stadthausgalerie . Dieses Bad ist ein Durchgangszimmer. Und der Spiegel ist von innen ein Fenster und spiegelt nur von außen.

Protagonisten der öffentlichen Bühne hat Matthias Zölle in Szene gesetzt, genauer: Der Fotograf hat sich selbst als Franz-Peter Tebarz-van Elst, Superman und Angela Merkel inszeniert und analog im Fotostudio fotografiert, das auch als solches über das Laken als Hintergrund erkennbar bleibt.

Ulrich Rothmund präsentiert klassische Skulpturen aus Marmor und Holz. Seine weibliche Büste zeigt noch hier und da die Farbe des Marmorkristalls, schließlich ist das reine Weiß, das durch den Meißel entsteht, letztlich die Wunde des Steins. Sein Marmor-Po verweist auf die Antike, in der die Figuren so posierten, dass die Schönheit des Menschen sichtbar wurde. Rothmunds Ausschnitt „Po“ stellt somit das Zentrum jener Anmut dar.

Von Bernd Heitkötter ist „Rauschen“ zu sehen. Auf einen Kleber hat der Maler Pigmente gleichsam (analog zu Jackson Pollock) ausgesät, was explosionsartige Muster zur Folge hat.

Zum Thema

Die Ausstellung „Back Light“ wird am Freitag (7. März) um 19 Uhr in der Stadthausgalerie, Platz des Westfälischen Friedens eröffnet. Am 21. März um 19 Uhr findet dort eine Performance sowie am 4. April eine Videokunst-Vorführung statt.

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