Di., 17.03.2015

Passionskonzert der Capella Vocale Alte Musik und neuzeitliche Kontraste

In der Josefskirche Kinderhaus sang der„Capella Vocale“-Chor Münster unter Leitung von Daniel Lembeck.

In der Josefskirche Kinderhaus sang der„Capella Vocale“-Chor Münster unter Leitung von Daniel Lembeck. Foto: ukc

Münster - 

Die Sitzplätze in der Kinderhauser St. Josefskirche reichten am Sonntagnachmittag für das geistliche Konzert des „Capella Vocale“-Chores nicht aus, so sehr interessierte dessen Konzertthema, die unvollendet gebliebene Motette über den Psalm 102, 2 des englischen Komponisten Henry Purcell „Hear my prayer, o Lord, and let my crying come unto thee“ („Herr, höre mein Gebet. Mein Schreien dringe zu Dir.“).

Von Ulrich Coppel

In langen, ruhig gehenden Schritten gestalteten die 45 Sängerinnen und Sänger das barocke Original ganz zu Beginn des rund einstündigen Konzertes. Chorleiter Daniel Lembeck hatte sie allesamt hervorragend vorbereitet und balanciert.

Auf das alte Ursprungswerk folgten zahlreiche kontrastierende Adaptionen aus jüngerer Zeit, teils aus der Gegenwart. So erklangen wunderschöne typisch homophon-romantische Sätze, etwa in Maurice Duruflés „Ubi caritas et amor“ („Wo die Güte und die Liebe“). In Morten Lauridsens Komposition gleichen Namens wechselten Rhythmus und Harmonik zwischen Zitaten aus dem alten Original und Rückungen moderner Harmonien. Dies erinnerte ein bisschen an Karl Jenkins „Adiemus“ aus der Werbung einer amerikanischen Fluglinie. Glücksgefühle pur. Doch auch Purcells Satztechniken klingen manchmal „ihrer Zeit voraus“. Erstaunlich, ja fast ein bisschen romantisch gesetzt, kam etwa „Thou knowest, Lord“ daher. Hingegen war die direkt darauf zu hörende „Hear my prayer, o Lord“-Version des 1942 geborenen Schweden Sven-David Sandström mit ihren geschickten Crossover-Techniken ein bisschen wie „Zurück in die Zukunft“: Zu Beginn erklang ein barocktypischer „Cantus firmus“, der jedoch alsbald und stetig hinein in eine immer lauter werdende und schließlich grell brennende Tonsprache driftete. Doch war dies nicht das Ziel. Denn plötzlich lösten sich darauf die furchtbar klagenden Schreie in ein Jammern, ein Wimmern. Der Schmerz ließ nach. Die Not war gelindert. Mit einer picardischen Terz endete die Komposition in einer beliebten Kompositionstechnik aus der Zeit des Purcell-Originals. Mit ihr soll eine gänzlich „unreine“ Komposition im Tongeschlecht Moll mit einem strahlend-reinen Schlussakkord in Dur enden. Nicht selten war dies als ein Zeichen der Zuversicht auf die wärmende Güte Gottes gedacht.

Den begeisterten, minutenlangen Applaus dankte „ Capella vocale“ mit einer Zugabe.

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