Do., 27.08.2015

Ein Wiedersehen mit Arbeiten von Timm Ulrichs im LVM-Kristall Hinter dem Witz steckt Raffinesse

Bei einem Torso fehlt immer etwas, wie bei dieser Lichtinstallation von Ulrichs. Weder leuchten alle Buchstaben gleichzeitig, noch sind sie alle komplett aus.

Bei einem Torso fehlt immer etwas, wie bei dieser Lichtinstallation von Ulrichs. Weder leuchten alle Buchstaben gleichzeitig, noch sind sie alle komplett aus. Foto: Gerhard H. Kock

Münster - 

Originalität ist sein Stil, Scharfsinn seine Methode. Dieser Künstler will derjenige sein, der das Rad erfunden hat. Timm Ulrich ist der „Ideeator“ der Kunst: „Einen Gedanken ein zweites Mal zu denken, ist leicht.“ Der erste Totalkünstler und langjährige Professor der Kunstakademie Münster, der hier immer noch eine Wohnung hat, ist aus Anlass seines 75. Geburtstag im LVM-Kristall zu sehen.

Von Gerhard H. Kock

In Kooperation mit dem „Kunstmuseum Celle mit Sammlung Robert Simon “ präsentiert die LVM-Kulturwelt die Ausstellung „ Timm Ulrichs – bei Licht besehen“, einige Lichtarbeiten aus den unübersichtlich vielen Kreativitätsfeldern des gebürtigen Berliners.

Die Tragik seiner Kunst ist die scheinbare Banalität. Dabei steckt im Witz seiner Werke Akkuratesse und Raffinesse , die Assoziationsflächen anbietet, oft über die Sprache. Das Neon-Lichtspiel-Objekt „Torso“ von 1962 zum Beispiel: Das Wort ist immer vollständig, aber erleuchtet nie und auch nicht ohne Licht. Doch was ist dann jeweils das Torsische. Ein Torso macht nur Sinn, wenn er komplett gedacht wird. Sonst würde ja nichts fehlen. Ein Spiel mit der unauflöslichen Diskrepanz von Vorstellung und Wirklichkeit.

Oder „Ikon“ von 1969/76, bei dem sich über die Buchstaben plötzlich sinnhafte Zahlenmagie einstellt. Das griechische „Ikon“ für Bild hat vier Buchstaben; man kann das Wort 24 Mal mutieren bis zum „Kino“. Die Bildwechselfrequenz in Kinofilmen ist 24 Hertz. Die Arbeit „IKON-KINO“ blinkt in dieser Taktung.

„Zungenreden“ gehört zu seinen Möbelskulpturen: Ein Stuhl steht auf vier Flacker-Glühbirnen, ihm gegenüber ein umgeworfener Stuhl, der nun alle Viere flackernd von sich streckt. Tatort eines gescheiterten Gesprächs. Aber auch Pfingsten , als feurige Zungen Apostel beseelten und sie in fremden Sprachen reden ließen; und Babel, als Gott die Sprache verwirrte.

Hoch über den Köpfen hängen „Licht-Kegel“. Vier Taschenlampen sind auf Wand und Säule gerichtet. Die Lichtkegel sind allerdings nur ein Schatten ihrer selbst – schwarze Kegel in denen das Licht scheint – vielleicht . . .

14 Arbeiten laden im LVM zum freien Assoziieren ein, und eine wird erst zur Vernissage vorgestellt.

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Die Ausstellung wird am Freitag (28. August) um 19 Uhr im LVM, Koldering 21, eröffnet und ist bis 24. Oktober zu sehen. Führungen sind dienstags (12 Uhr) und donnerstags (19 Uhr); ein Künstlergespräch ist am 24. September um 19 Uhr. Anmeldung: ✆ 702 1861.

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