Fr., 02.10.2015

Kunstmesse im Kunsthaus Kannen ist eröffnet Die Messe der kurzen Wege

Mitglieder der Gruppe „Theater im Dorf“ aus Mülheim porträtieren Besucher der Kunstmesse im Kunsthaus Kannen.

Mitglieder der Gruppe „Theater im Dorf“ aus Mülheim porträtieren Besucher der Kunstmesse im Kunsthaus Kannen. Foto: Mira Taylor

Münster - 

Mit dem „2x2 Forum für Außenseiter-Kunst“ hat das Kunsthaus Kannen eine Kunstmesse von internationalem Format etabliert. Bis Sonntag präsentieren dort 20 Institutionen, wie vielfältig diese Art von Kunst sein kann.

Von Petra Noppeney

Das Bild jenes Rolf, der sich da hat porträtieren lassen, ist winzig klein und die weiße Farbe auf dem feuchten braunen Papier so blass, dass man kaum etwas erkennen kann. Doch es ist zu Herzen gehend zu sehen, wie couragiert die weiß gewandeten Maler, sie sind allesamt psychisch krank, die vor ihnen Sitzenden malen – und mitunter gar in ein Gespräch verstricken. Seit 20 Jahren existiert das „Theater im Dorf“ aus Mülheim, dem die Maler angehören. „Und noch nie“, sagt Lidy Mouw, Künstlerin aus Amsterdam und Leiterin der Truppe, „haben wir unsere Sachen im Kunstkontext gezeigt“. Premiere also für die Mülheimer – und ein schöner Auftakt zur Eröffnung des nunmehr vierten „2x2 Forum for Outsider Art“ im zur Alexianer-Bruderschaft gehörenden Kunsthaus Kannen .

2009 organisierte Lisa Inkmann , Leiterin des Kunsthauses nahe Amelsbüren, erstmals die internationale Kunstmesse für die sogenannte Außenseiter-Kunst. „Ich wollte aufzeigen, dass es noch viele andere Institutionen gibt, kleine und große, die sich um diese Art Kunst kümmern“, erzählt sie. Dieses Engagement weiß bei der Eröffnung auch Dr. Klaus Telger , Leitender Arzt des Alexianer-Krankenhauses Münster , zu würdigen: „Du hast mit dem ,2x2 Forum’ ein sehr attraktives und zukunftsträchtiges Format konzipiert, was man am besten so zusammenfassen kann: quadratisch, praktisch, gut.“

Begegnung und Austausch sind Ziele des Forums, das Klaus Telger als „Messe der kurzen Wege“ beschreibt. Denn bis einschließlich Sonntag präsentieren sich nicht weniger als 20 Institutionen aus der Schweiz, Österreich, Italien und Ungarn auf zwei mal zwei Metern Raum. Darunter sind Projektinitiativen, Werkstätten, Galerien, Museen – und forensische Einrichtungen wie das offene Atelier im LWL-Zentrum für Forensische Psychiatrie Lippstadt-Eickelborn. Leiterin Rebekka Schulte verweist auf die Zeichnung einer jungen Frau aus dem Irak, die als Kind nach Deutschland flüchtete, dann psychisch erkrankte und eine Straftat beging. Das Erlebte drückt sie nun in ihrer Kunst aus.

Nebenan, am Stand der Forensik-Einrichtung Kunstwerkstatt 18 aus Hamburg-Ochsenzoll, hat eine Künstlerin als Raumausstatterin gewirkt. Die Koje ist dem ausgestellten kleinen Modell gleich gestaltet und erinnert mit Bildern und Stehlampe an ein Wohnzimmer. Oder ist es vielleicht ein Bild für das Eingesperrtsein?

„2x2“ – das drückt für Messe-Kuratorin Lisa Inkmann auch die Zusammenarbeit von Außenseiterkünstler und Vermittler aus, sprich: die Hilfe des Zweiten. Umso beachtlicher, dass mit Stefan Tiersch aus Aachen und Robert Linke aus Berlin zwei Künstler allein in eigener Sache antreten. Auch sie zeigen, wie die meisten anderen Aussteller, ausdrucksstarke Malerei und Zeichnungen. Das, so Lisa Inkmann, hänge mit dem geringen Platz zusammen, sei aber auch typisch für die Outsider-Art: „Die Ausdauer ist oftmals nicht da.“

Wer allerdings am ebenfalls wohnlich gestalteten Stand von Vitos Rheingau aus Eltville am Rhein den Film sieht, der einen Abriss über das gibt, was in diesem im Jahr 2000 von Helmut Mair aufgebauten Künstlerhaus 6 von psychisch Kranken in Sachen Film, Performance und Malerei erarbeitet wird, gewinnt einen anderen Eindruck.

Von weit her ist Michela Gidani angereist – aus Bologna in Italien. Sie vertritt das Begegnungszentrum Marakanda und formuliert in schönstem Italienisch, stellvertretend für die Kollegen aus Basel, Wien und Budapest, warum sie zur Messe nach Münster gereist ist: „Ich freue mich, andere Teilnehmer vergleichbarer Einrichtungen kennenzulernen und Kontakte zu knüpfen.“ Interessierte Besucher, gern mit Kaufinteresse, sind auf der Kunstmesse natürlich willkommen.

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