Mi., 25.11.2015

„Sozialpalast“ zeigt Kunstprojekt im H1-Tunnel Berliner U-Bahn hält am Schlossplatz

Die U9 aus Berlin hält jetzt auch im H1-Tunnel. Das Kunstprojekt Sozialpalast lässt vor der Videoprojekt Kunst und Konzerte stattfinden.

Die U9 aus Berlin hält jetzt auch im H1-Tunnel. Das Kunstprojekt Sozialpalast lässt vor der Videoprojekt Kunst und Konzerte stattfinden. Foto: Gerhard H. Kock

Münster - 

Erik Biembacher hat im Fußgänger-Tunnel am H1 eine U-Bahn-Station „Sozialpalast“ errichtet. An vier Abenden im November und Dezember finden an der neuen Haltestelle Konzerte, Partys und Kunstaktionen statt.

Von Gerhard Heinrich Kock

Immerhin bekommt Münster bald einen Hauptbahnhof, der mehr ist als ein Gleisanschluss. Aber zu einer Metropole gehört eine U-Bahn, wenigstens eine S-Bahn. Da muss die Kunst immer mal wieder aushelfen. In diesem Winter wird es das Kunstprojekt „Sozialpalast“ sein.

Erik Biembacher hat im Fußgänger-Tunnel am H1 eine U-Bahn-Station „Sozialpalast“ errichtet, die fast schon eine Münster-Tradition aufgreift: Für die Skulptur-Projekte 1997 installierte Martin Kippenberger an der Kreuzschanze einen Lüftungsschacht als Teil seines weltumspannenden Metro-Netzes. Im vorigen Jahr stellten Sabine Klupsch und Sascha Unger im Rahmen von „hbf – häuser | bilder | fenster“ vor dem Hauptbahnhof ein U-Bahn-Schild auf.

Biembacher aber macht mehr: Er bringt urbanes Leben in seine U-Bahn, genauer gesagt – Untergrundkultur. Jeden Freitag steigt dort ein Konzert mit einer Party.

Der Münsteraner Kemo Doumawalia schafft aus Obst- und Gemüsekisten Installationen an den Wänden des Tunnels, die an die bunten Kacheln der Untergrundbahnen erinnern sollen. Die Devise „Aus alt mach neu“ gilt auch für Samuel Treindel. Der Münsteraner hat mit seiner „Forschungsstelle für anarchistische Produktion“ im Recycel-Design aus entsorgten Hölzern Sitzbänke in neongelb gebaut.

Den obligatorischen Kiosk gibt es ebenfalls: Imad Saadeh wird seinen mobilen Falafel-Stand aufbauen mit Kichererbsen-Bällchen nach original palästinensischem Rezept. Selbstverständlich ist auch der typische Wohnwagen vom „Sozialpalast“ am Ort. Das Markenzeichen steht am U-Bahntunnel-Eingang West auf dem Schlossplatz. „Bewohnt“ ist der Wagen während des Projekts von den skurrilen Textil-Figuren der münsterischen Künstlerin Wiebke Bartsch.

Nicht zu vergessen ist der Tunnel selbst, den Erik Biembacher mit einer aufwendigen Videoinstallation umgewandelt hat. In der Berliner U-Bahn-Station „Schloss-Straße“ hat der münsterische Künstler acht Kameras simultan laufen lassen. Biembacher: „Es war nicht leicht, auf der belebten Station das Video aufzunehmen.“ Es musste sich nur ein Fahrgast vor eine der Kameras stellen, schon war die Aufnahme nicht zu gebrauchen. In den 27 Minuten, die jetzt in Münster zu sehen sind, fahren drei Züge der Linie 9 durch den Untergrund. 30 Meter lang ist die Projektion. Durch die toten Winkel der nebeneinander angebrachten Kameras gibt es Brüche in der Wiedergabe. So verschwinden Menschen und tauchen wieder auf. Kunst eben.

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Die U-Bahn-Station wird am Freitag (27. November) um 20 Uhr eröffnet. Das Konzert „Murphy’s U 99“ beginnt gegen 22 Uhr. 

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