Mo., 28.03.2016

Klavierabend am Gründonnerstag Sakrale Eruptionen

Roger Muraro ist ein Ausnahmepianist, der Messiaens ­„Jesus­kind“-Zyklus vollkommen beherrscht.

Roger Muraro ist ein Ausnahmepianist, der Messiaens ­„Jesus­kind“-Zyklus vollkommen beherrscht. Foto: Arndt zin

Münster - 

Als Roger Muraro 1984 den gewaltigen Klavierzyklus „Vingt Regards sur l’Enfant Jésus“ von Olivier Messiaen erstmals spielte, war das Werk schon fast 40 Jahre alt. Der Komponist selber verlieh seinerzeit dem Pianisten gleichsam höchste Weihen, was die Interpretation seiner Musik anbetrifft – ein „Ausnahmepianist“. In den folgenden Jahren spielte Muraro das gesamte Klavierwerk Messiaens auf Ton­träger ein.

Von Arndt Zinkant

Es war also nicht irgendwer, der hier am Gründonnerstag die gewaltigen sa­kralen Eruptionen aus dem Elfenbein holte („20 Blicke auf das Jesuskind“); der den Steinway immer wieder erzittern ließ, als würde die göttliche Botschaft durch die Klaviersaiten schwingen – und damit auch durchs Kleine Haus des Theaters hallen. Im Gegenteil! Hier, so erkannte man gleich, war ein veritabler Verkünder von Messiaens Musik am Werk. Einer, der diese Musik lebt, sie atmet und teils mit schier prophetischem Eifer in die Tasten greift.

Wird hier der einsame Konzertflügel nicht auch überfrachtet? Eine „musica sacra“, die ohne Text und menschliche Stimme auskommt, sich aber in einem genau ausformulierten Programm der 20 Stücke zu erkennen gibt („Blick des Vaters“ oder „Blick des Kreuzes“). Außerdem findet sich eine religiöse Zahlensym­bolik darin und (wie so oft bei Messiaen) lautmalerische Ausformung von Vogelstimmen. Es konnte als Zuhörer nicht schaden, sich mit dem programmatischen Unterbau zu befassen, um das komplexe religiöse Werk zu erfassen.

Wenn es allerdings mit so rückhaltloser Identifikation daherkommt wie an diesem Abend, konnte man sich der teils spröden, teils eingängigen Nachkriegs-Avantgarde auch ganz intuitiv überlassen. „Gottesthema“ oder „Akkordthema“ strukturieren das Werk, das mal meditativ, mal monumental, mal auch wild dramatisch daherkommt.

Muraro kann das aus­wendig; ihm geht es immer um den Ausdruck, weniger um die teilweise luziden Klangwirkungen, die gleichsam Debussy ins eisige Weltall rücken. Klirrenden, harten Diskant setzt der Interpret direkt neben gewaltige ­Donnerbässe, die er im ­Flügel ehrfurchtgebietend nach­zittern lässt. All das machte im leider nur halb gefüllten Kleinen Haus mächtigen Eindruck. Das Publikum feierte den Ausnahmeinterpreten mit gebührendem Beifall.

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