Do., 28.04.2016

„Together Higher Dance Company“ aus Vietnam im Pumpenhaus Unergründliche Figuren sprechender Hände

Zeitgenössischen Tanz aus Vietnam zeigte die „Together Higher Dance Company“.

Zeitgenössischen Tanz aus Vietnam zeigte die „Together Higher Dance Company“. Foto: Le Vu Long

Münster - 

„Together Higher“ ist eine besondere Tanzkompanie, besteht sie doch nicht nur aus gehörlosen Künstlern, sondern gilt in ihrer Heimat Vietnam auch als erstes zeitgenössisches Tanzensemble überhaupt.

Von Isabell Steinböck

Die Bühne ist dunkel. An der Seite steht ein Metallkäfig, in dem weiß bekleidete Männer und Frauen eng an eng nebeneinander stehen. Als gebe es die anderen nicht, blicken sie in sich hinein. Nur ihre Hände scheinen zu sprechen, wenn sie unergründliche Figuren formen.

„Together Higher“ ist eine besondere Tanzkompanie, besteht sie doch nicht nur aus gehörlosen Künstlern, sondern gilt in ihrer Heimat Vietnam auch als erstes zeitgenössisches Tanzensemble überhaupt. Rund ein Dutzend Choreographien hat Tanzchef Le Vu Long seit 2002 kreiert, im voll besetzten Pumpenhaus gastierte das zehnköpfige Ensemble mit „Sigh Memory“ (Erinnerung seufzen).

Im Zentrum steht ein Paar, das zu Tri Minhs elegischer Klaviermusik mit fließenden Bewegungen umeinander kreist. Wie aus einem Guss wirkt diese melancholische Choreographie, die sich am Ende noch einmal wiederholen wird: Mal sitzt die Tänzerin auf der Hüfte ihres Partners, mal rollt er über sie hinweg, zieht sie nach, stemmt sie hoch, lässt sie fliegen. Akrobatisch und kraftvoll mutet ihr Tanz an; wenn sie auf den Händen stehen, hart auf den Boden stampfen oder sich mit angewinkelten Füßen gegen imaginäre Gegner wenden, wirkt das wie asiatische Kampfkunst.

Eine Ästhetik, der man große Ensembleszenen gewünscht hätte. Le Vu Long fokussiert jedoch auf Pas de deux oder Soli, etwa, wenn er einen Tänzer auftreten lässt, der in seinem langen Tuch mit dominantem Ausdruck wirkt wie ein buddhistischer Mönch. Das Ensemble bleibt die meiste Zeit in seinem Käfig – laut Programm ein Symbol für Erinnerung – verändert die Szene allerdings kontinuierlich. Wenn die Figuren das Objekt kippen, damit über die Bühne laufen, sich daran entlang hangeln oder mit artistischen Bewegungen hinaufziehen, wird Begrenzung spürbar.

Dynamische Bilder entstehen, indem die Tänzer den Kubus um die eigene Achse drehen und dabei auf den Seiten liegen als würden sie fliegen. Sich pixelartig auflösende, an die Bühnenwand projizierte Soldaten-Bilder erinnern an den Vietnamkrieg. Als die Individuen ihre Handschuhe endgültig ausziehen, um in ihren weißen Gewändern reglos übereinander zu liegen, ist der letzte große Abschied bald Erinnerung.

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