Fr., 20.05.2016

Theater Oberhausen zeigt „Taxigeschichten“ im Pumpenhaus Quer durch Berlin

Live-Theater-Film: In „Taxigeschichten“ erleben die Zuschauer Theater und Film gleichzeitig.

Live-Theater-Film: In „Taxigeschichten“ erleben die Zuschauer Theater und Film gleichzeitig. Foto: Thomas Aurin

Münster - 

Was erlebt ein Taxifahrer? Das Theater Oberhausen erzählt davon im Pumpenhaus.

Von Isabell Steinböck

Die Bühne ist aufgebaut wie ein Fernsehstudio: Mikrofone, Kameras, Scheinwerfer und Ledersitze stehen im Rampenlicht (Kulisse: Mitra Nadjmabadi ). Auf der einen Seite sitzt ein Mann hinter einem Lenkrad, auf dem Rücksitz saugt eine Blondine an ihrer Zigarette. Mit osteuropäischem Akzent erzählt die Prostituierte dem Taxifahrer ihre Sorgen, während sie gefilmt werden und sich die Szenerie auf einer Leinwand über ihnen verdoppelt. Laternen, Autos und Häuserfassaden rauschen vorbei, als sie durchs nächtliche Berlin fahren.

Amir Reza Koohestanis „ Taxigeschichten “, die unter seiner Regie mit Schauspielern vom Theater Oberhausen auf die Pumpenhaus-Bühne kommen, sind eine geniale Mischung aus Theaterstück und live gespieltem Film, Realität und Fiktion. Im Zentrum steht der iranische Taxifahrer Naser (mitreißend: Jürgen Sarkiss), ein sympathisch wirkender, empathischer Mann, dem seine Gäste nur zu gern ihr Herz ausschütten. Dabei könnte er als einsamer Single selbst mitunter Zuspruch gebrauchen.

Vier überzeugende Darsteller verkörpern in kunstvoll miteinander verwobenen Geschichten diverse Rollen. Tragikomische Figuren sind dabei, etwa die Prostituierte Alicja ( Marieke Kregel ), die vor der Gewalt auf der Straße fliehen möchte, um mit einem Hochschuldozenten ein neues Leben zu beginnen. Doch, man ahnte es schon, der Mann meint es nicht wirklich ernst.

Grotesk wirkt Michael Witte als irrer Dieter. Dass hier derselbe Schauspieler auf der Bühne steht wie in der Rolle des an Alkoholismus leidenden Taxichefs Jafar, hätte man nicht gedacht. Auch Martin Hohner überrascht durch konträre Figuren, wenn er mal als Zuhälter, mal als Geschäftsmann im Rampenlicht steht. Als Ex-Knastbruder erfüllt er jedes Klischee und sorgt für satirisch-witzige Momente. Komisch ist auch seine Rolle als Schweizer, der in heimlichen Dates mit einer modernen Afghanin aus seiner steifen Korrektheit ausbricht.

Zwischen all diesen Begegnungen steht Naser, ein Romantiker, der sich im kalten Deutschland nach seiner Heimat sehnt oder zumindest nach der nächsten Kebab-Bude. Bei ihm fühlt man sich wohl, die anderthalb Stunden vergehen wie im Flug. Gern hätte man ihn noch länger begleitet.

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