Fr., 15.07.2016

Zwischen Filmset und Kulturfarm Drei Schauspieler gehen nach dem Abschied vom Theater Münster neue Wege

Drei populäre Schauspieler, die das Theater Münster verlassen: Maximilian Scheidt (gr. Bild) und Lilly Gropper, hier in Szenen aus „Othello“, sowie Aurel Bereuter, der vor Kurzem noch einen Kabarett-Abend gestaltete.

Drei populäre Schauspieler, die das Theater Münster verlassen: Maximilian Scheidt (gr. Bild) und Lilly Gropper, hier in Szenen aus „Othello“, sowie Aurel Bereuter, der vor Kurzem noch einen Kabarett-Abend gestaltete. Foto: Oliver Berg

Münster - 

Spielzeitende – das bedeutet am Theater Münster auch: Bekannte und geschätzte Ensemblemitglieder scheiden aus, weil sie sich beruflich neu orientieren. Nicht immer führt der Weg dann an ein neues Theater, wie zwei unserer drei Beispiele zeigen.

Von unseremRedaktionsmitgliedPetra Noppeney

Maximilian Scheidt wohnt inzwischen in Berlin . Dort hofft der Schauspieler auf Rollenangebote beim Film. 2013 war Scheidt bereits in einer Hauptrolle im viel beachteten Kinofilm „Die andere Heimat – Chronik einer Sehnsucht“ zu sehen, der auf der von Regisseur Edgar Reitz stammenden Filmreihe „Heimat“ beruht. 2014 spielte er in einem TV-Krimi – Titel „Aus der Kurve“ – mit, den der Hessische Rundfunk für die ARD produzierte. Auf Halde liegt noch ein TV-Film mit Corinna Harfouch.

Sein Engagement am Theater Münster , so sagt Scheidt, „war oft schwierig mit der Filmerei unter einen Hut zu bringen“. Schon lange stand für ihn deshalb die Frage im Raum, ob es nicht besser sei, „mehr Zeit in Filmprojekte zu investieren“. Nun hat Maximilian Scheidt Nägel mit Köpfen gemacht. Er hat sich für Berlin entschieden, hat dort „nach langem Suchen“ auch ein „schönes und bezahlbares“ Quartier gefunden. Und hofft nun darauf, dass die Agentur, die ihn betreut, Angebote erhält.

Ein kühnes Projekt treibt auch Aurel Bereuter voran: Sieben Jahre lang haben er, gebürtig vom Bodensee, und seine Ehefrau, die aus Garmisch stammt, im Süden der Republik nach einem ländlichen Anwesen gesucht. Gefunden haben sie es in der Gemeinde Emersacker im Augsburger Land – „um uns herum ist nichts als Wald“, schildert Bereuter. Kein Strom, kein Wasser, dafür ein Brunnen und eine Pellets-Heizung, die auch Strom erzeugen soll – das klingt nach Herausforderung für jemanden, der bis vor Kurzem noch Städter war.

Doch Bereuter ist Agraringenieur, also gelernter Landwirt. Als solcher träumt er von seinem neuen Domizil als einer Art „ Kulturfarm “, die nachhaltig betrieben wird – „und vielleicht andere zum Nachahmen animiert“. Seine Frau bietet zudem pferdegestütztes Coaching an. Zwei Stuten gehören zum Hof.

Bereuter – ein Aussteiger also, der ohne das Theater auskommt? Nein. Sechs Monate Erziehungsurlaub, Bereuter ist Vater eines Sohnes, haben ihm „schmerzlich zu Bewusstsein geführt, wie sehr mir der Austausch mit Menschen und auch Texten gefehlt hat“. Bereuter schwärmt vom Sog beim Spielen. Besonders beim Stück „Der Stellvertreter“ – „so ziemlich eines der wichtigsten in der abgelaufenen Spielzeit“ – habe er diesen gespürt.

Zum Glück liegt Memmingen von Emersacker aus gesehen „um die Ecke“. Kathrin Mädler, einst leitende Schauspiel-Dramaturgin am Theater Münster, ist dort Theaterintendantin. Bei ihr wird Bereuter gastieren – als Suchender in „Peer Gynt“ etwa. „Von der künstlerischen Heimat bin ich also nicht ganz abgeschnitten“, freut sich der Schauspieler. Außerdem ist seine Ehefrau Choreographin. Für das Theater Münster wird sie 2017 das Tanztheater „Curtain“ inszenieren. Dann will Bereuter mit nach Münster reisen. In die Stadt, die er und seine Familie nur „ganz schweren Herzens“ verlassen haben.

Auch Lilly Gropper hat mit Münster noch nicht abgeschlossen. Die gebürtige Münchnerin will, obwohl neuerdings am Staatstheater Nürnberg verpflichtet, vorerst weiterhin in Tuğsal Moğuls Stück „Auch Deutsche unter den Opfern“ in Münster mitspielen – so lange es mit dem neuen Engagement vereinbar ist. Zurzeit absolviert sie fünf Tage Vorprobe in Nürnberg. Am 15. Oktober hat Sibylle Bergs Stück „Und dann kam Mirna“ Premiere – es ist Lilly Groppers Einstand am Staatstheater. Umziehen muss sie allerdings noch. „Momentan sind meine Sachen noch in Münster.“

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