Do., 04.08.2016

Ausstellung „Homosexualität_en“ im LWL-Museum für Kunst und Kultur "Bürger dieser Stadt offener, als ihnen zugetraut wird"

Mit Künstlerin und Bodybuilderin Heather Cassils in Unterhose warb das LWL-Museum für Kunst und Kultur für seine Ausstellung "Homosexualität_en". Im Gästebuch gibt's nun viel Lob.

Mit Künstlerin und Bodybuilderin Heather Cassils in Unterhose warb das LWL-Museum für Kunst und Kultur für seine Ausstellung "Homosexualität_en". Im Gästebuch gibt's nun viel Lob. Foto: Heather Cassils/Robin Black 2011, Klaus Meyer, Matthias Ahlke, Hanna Neander, Montage: gap

Münster - 

Eine Ausstellung über Homo-, Bi- und Transsexuelle im katholischen Münster? Das Landesmuseum für Kunst und Kultur in Münster hatte sich auf Proteste von Besuchern und Hass-Kommentare im Netz vorbereitet. Doch nicht nur die blieben aus.

Von Anne Koslowski

Die Irritation um das Werbeplakat mit der Künstlerin und Bodybuilderin Heather Cassils im Vorfeld der Ausstellung „Homosexualität_en“ hätte vermuten lassen, dass es mindestens eben soviel Aufhebens um die Schau selbst geben würde. Wollte doch die Deutsche Bahn das Motiv von der Kanadierin mit roten Lippen und aufgepumpten Muskeln im Herrenslip „als ,sexualisiertes’ und ,sexistisches’ Bild„ zunächst nicht in ihren Bahnhöfen aufhängen.

Inzwischen sind einerseits Erleichterung, aber auch Ernüchterung bei den Mitarbeiterin des Landesmuseums für Kunst und Kultur eingetreten: Der Zulauf zur Ausstellung „Homosexualität_en“ ist mäßig, Proteste aus konservativen Kreisen aber blieben ebenso aus.

Fotostrecke: Blick ins Gästebuch der Ausstellung „Homosexualität_en“

„Es ist fast langweilig“, sagt Rebecca Baasch über die kaum vorhandene Diskussion im Netz. Die Mitarbeiterin der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit hatte sich mehr Diskurs erhofft. Schließlich handelt es sich bei der Ausstellung über alternative Liebes- und Lebensentwürfe noch immer um ein Tabuthema in Teilen der Bevölkerung.

Den Gegenwind, mit dem die Museumsmitarbeiter gerechnet hatten, gab es nicht. „Das zeigt, dass die Bürger dieser Stadt offener sind, als ihnen zugetraut wird“, sagt Rebecca Baasch. Nur eine Beschwerde-Postkarte einer älteren Frau hätte sie erreicht. Dabei war sie auf Hass-Kommentare im Netz sowie aufgebrachte Kunden an den Kassen vorbereitet.

Gekommen sind vor allem Besucher aus der schwulen, lesbischen, bi- und transsex­uellen Szene. Insgesamt sei das Publikum "deutlich jünger als sonst". Dessen Reaktionen waren zumeist positiv, so Baasch.

Besucherzahlen gibt das Museum erst kurz vor Ausstellungsende am 4. September bekannt. An den 100.000 Besuchern der Ausstellung, die 2015 so bereits in Berlin über sechs Monate in zwei Museen gezeigt wurde, wollen sie sich aber nicht messen. Zum Vergleich: Die erste große Sonderausstellung „Das nackte Leben“ des LWL-Museum für Kunst und Kultur im vergangenen Jahr zog 81.000 Interessierte.

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