Fr., 02.09.2016

Stadtheimatbund erinnert an Anton Wilhelm „Tönne“ Vormann Das Leben durch Kunst verschönert

Ursula Warnke (l.) und Marianne Schoo mit dem Porträt von Anton Wilhelm Vormann. Rechts ein Ölbild des Künstlers von der Werse (1930).

Ursula Warnke (l.) und Marianne Schoo mit dem Porträt von Anton Wilhelm Vormann. Rechts ein Ölbild des Künstlers von der Werse (1930). Foto: pn

Münster - 

Es gibt ein hübsche Anekdote über den münsterischen Maler Anton Wilhelm Vormann: Als er sich in München um einen Studienplatz an der Debschitzschule bewarb, wurden die Kandidaten gebeten, spontan etwas zu malen. Vormann tat, wie ihm geheißen – und ein Mitbewerber neben ihm zeichnete schamlos ab, was der Westfalen zu Papier brachte. Der Schummler bekam den Platz -- und Vormann die weitaus ehrenvollere Berufung durch den Direktor der Schule, Prof. Evertz. Dem war vermutlich längst klar, dass er ein großes Talent vor sich hatte.

Von Petra Noppeney

Anton Wilhelm Vormann (1902-1993), auch Tönne oder Töns genannt, hat ein umfangreiches Lebenswerk hinterlassen, das Schallplatten, Hörfunk-Aufzeichnungen und sogar einen autobiografischen Roman („Der Weg zur Sonne“, veröffentlich 1988, begonnen 1933!) umfasst. In Westfalen kennt und kannte man Vormann als Sänger, Schriftsteller, Rundfunksprecher und Hörspielautor. Dass er auch als Maler und Zeichner ein Könner war, dies zeigt von Sonntag (4. September) an eine Retrospektive in der Torhaus-Galerie des Stadtheimatbundes mit über 30 Werken.

Obwohl er schon im zarten Alter von 17 Jahren Mitbegründer der Künstlervereinigung Schanze in Münster war, ist das zeichnerische Schaffen Vormanns mitunter hinter seine anderen künstlerischen Aktivitäten zurückgetreten. Dabei ist sein Nachlass, aufgearbeitet und archiviert von Galerist Helmut König, nicht eben klein. Und auch die Tatsache, dass einige Werke der kleinen, aber feinen Ausstellung Leihgaben aus Privatbesitz sind, beweist, dass Vormann auch mit seinen Bildern zu gefallen wusste.

Der Stadtheimatbund zeigt Werke Vormanns aus verschiedenen Lebensabschnitten. Das älteste Bild ist eine Bleistiftzeichnung der Silhouette Münsters im Jahre 1918, das jüngste ein Bild der „Sommerlichen Dünen auf Norderney “ aus dem Jahr 1985. Obwohl er im Münsterland verwurzelt war, liebte Vormann schon als junger Mensch die Nordsee – was ein seltenes, aber höchst stimmungsvolles Öl-auf-Leinwand-Gemälde vom „Abend auf Baltrum“ (1926) ebenso beweist wie eine Serie von Tusche- und Kreidezeichnungen, die Anfang der 1920er Jahre auf Norderney entstanden. Mit feinem, filigranem Strich, der Dimensionen wie Tiefe, Weite, Licht und Schatten sichtbar machte, setzte er noch in den 60er Jahren der Insel Ameland und ihrem Frühlingsstrand ein Denkmal. Eindrucksvoll die Stimmung, die Vormann hier mit zarten Buntstift-Strich erzielte.

Menschen indes hat Vormann kaum gezeichnet. Und wenn, dann sind sie – wie auf seinen Norderney-Bildern – höchstens angedeutet. Seine Liebe galt der Landschaft Westfalens und der See. Später reiste er mit Freunden auch nach Italien. Doch dort tat er sich mit der Natur erst schwer – bevor er von ihr begeistert war.

Der Liebe zur Landschaft war Vormann sogar während seiner Zeit als Kriegsberichterstatter und -Maler im Zweiten Weltkrieg in Frankreich und Russland zugetan. Er geriet in russische Gefangenschaft – und malte mit Sepia und Feder „Mein Quartier in Russland – Baschkatwa“ (1942). So zart und fernab aller Kriegsgräuel, wie es nur ein Mensch mit positiver Einstellung zum Leben unter solchen Umständen zeichnen kann.

Am eindrücklichsten ist aber die große Kaltnadelradierung „Der Riese vom Reinhardswald“ aus dem Jahr 1926, die in der Ausstellung an exponierter Stelle hängt. Ein riesiger alter Baum ist darauf zu sehen, von Stürmen zerzaust, mit abgebrochenen Ästen. Wer Anton Wilhelm Vormann kannte, diesen zwar positiven, aber sicher nicht unkomplizierten Westfalen, wird beim Betrachten des Bildes an den Zeichner denken – ein Mann, so knorrig wie dieser Baum.

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Bis zum 28. Oktober in der Torhaus-Galerie, Neutor 2. Eröffnung: 4. September, 11 Uhr. Öffnungszeiten: Mo-Fr 10-12.30 Uhr und nach Vereinbarung ( ✆ 98 11 39 78).

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