Mozart-Requiem in der Apostelkirche
Ohne Pathos, aber mit Dramatik

Münster -

Wer an all die längst widerlegten Legenden glaubt, die Mozarts Requiem und seine Entstehung umranken, der bekommt einen echten Krimi voller mysteriöser Indizien: einen geheimnisvollen Boten, der an des Komponisten Tür pocht, ein erkleckliches Sümmchen Geld eines nebulösen Auftraggebers, dann Mozarts Tod, durch den das Requiem ein Torso blieb, und etliches mehr ...

Sonntag, 18.09.2016, 18:09 Uhr

Blick in die Apostelkirche
Blick in die Apostelkirche Foto: cws

Eigentlich braucht man dieses durchaus spannende, irgendwie romantisierende Beiwerk aber gar nicht, um Mozarts Botschaft vom Schrecken des Todes und den in Aussicht stehenden himmlischen Glückseligkeiten zu verstehen und sich von ihr berühren zu lassen. Und man braucht, wie Martin Henning am Samstag mit dem Philharmonischen Chor in der Apostelkirche zeigte, auch kein überdosiertes Pathos bei der musikalischen Umsetzung. Dramatik dagegen wohl!

Genau diese Gratwanderung zwischen diesen doch recht eng beieinander liegenden Möglichkeiten der Interpretation meisterte Henning mit seinem ausgezeichneten Vokalensemble perfekt. Kleine dynamische Schattierungen wie etwa die anschwellenden Töne im „Dies irae“ reichten, um dem Text Ausdruck zu verleihen. Anderes Beispiel: die „Rex tremendae“-Rufe des Chores, die längst nicht von der Gewissheit bedingungsloser Erlösung geprägt waren, sondern eher von Furcht und Zweifel. Henning hatte sehr genau hineingehorcht in den Text der Totenmesse und was Mozart (respektive Süßmayr) aus ihm gemacht hat. Der Chor war an diesem Abend „sein“ Instrument, folgte ihm mit stimmlicher Beweglichkeit, klarer sprachlicher Diktion, auch mit einer Portion überirdischer Schönheit wie im „Voca me“ der Frauenstimmen.

Dass mit dem Sinfonieorchester Münster ein im allerbesten Sinn routinierter Partner Hennings Lesart unterstützte, machte das Ganze zu einer runden Sache, ebenso die Solisten Martina Schilling , Bettina Ranch, Lothar Odinius und Thomas Laske – ein Quartett von großer Ausstrahlung.

Dem Requiem an die Seite gestellt: Ralph Vaughan Williams’ „Toward the Unknown Region“ auf einen Text von Walt Whitman – visionär, in eine positiv besetzte Zukunftsvision blickend. Und knapp fünfzehn Minuten fantastischer Musik für Chor und Orchester. Mit Melodien, wie nur Briten sie erfinden können, am Ende mit großartigen Steigerungen, die urplötzlich für Gänsehauteffekt sorgten. Die Affinität des Philharmonischen Chores gerade zu Werken der englischen Romantik hat hier wieder einmal reife Früchte getragen. Brausender Beifall!

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