Fr., 30.09.2016

„Elternschau“ von Silvia Jedrusiak im Pumpenhaus Mit Karacho in die Ordnung

Was wirkt ein Kind auf die Welt der Erwachsenen ein? Die „Elternschau“ von Silvia Jedrusiak macht es anschaulich.

Was wirkt ein Kind auf die Welt der Erwachsenen ein? Die „Elternschau“ von Silvia Jedrusiak macht es anschaulich. Foto: Erich Saar

Münster - 

Wohl nirgendwo sind Machtkämpfe so offensichtlich, wie in der Erziehung. Selten liegen Freud und Leid so nah beieinander und sind darüber hinaus noch von öffentlichem Interesse. Regisseurin Silvia Jedrusiak spiegelt dies in ihrer „Elternschau“ auf vielfältige Weise.

Von Isabell Steinböck

Ein Paar steht auf der Bühne und beobachtet, verklärt lächelnd, wie sein Kind mit einem Tennisball spielt. Jedes Rollen, Hüpfen, Auffangen nehmen die Erwachsenen liebevoll zur Kenntnis. Ein geradezu kitschiges Bild, das sich ändert, als der Spross zum Wurf ins Publikum ausholt. Beschwichtigender Appell der erschrockenen Eltern steigert sich zu lautem Rufen und Schreien. Wie Hunde gehen sie am Ende auf ihr Riesenbaby los, das am ganzen Körper zittert. Brav sein oder nicht, das ist hier die Frage . . .

Wohl nirgendwo sind Machtkämpfe so offensichtlich wie in der Erziehung. Selten liegen Freud und Leid so nah beieinander und sind darüber hinaus noch von öffentlichem Interesse. Regisseurin Silvia Jedrusiak spiegelt dies in ihrer „ Elternschau “ auf vielfältige Weise, wenn sie der Familie einen alleinstehenden Mann gegenüberstellt. Unberechenbares Kinderchaos trifft auf strenge Ordnung und Ruhe, die den Kleinen magisch anzieht. Zwei Welten prallen aufeinander, was unweigerlich zu Spannungen führt. Wie reagiert der Nachbar, wenn die Kindermusik zu laut wird? Und was, wenn der Junge auf seinem Rad mit lautem Karacho in die sorgfältig gestapelten Hocker fährt?

Ängste, Unsicherheit, Aggression, aber auch Liebe und Freude kommen in diesem „Biotop“-Theaterstück ausdrucksstark auf die Bühne. Vier Spieler stellen humorvoll überzeichnete Szenen dar, die aus dem Leben gegriffen sind. Dass die Regisseurin anstelle von Sprache auf Mimik und Gestik setzt, hebt Emotionen hervor und lädt zur Identifikation ein. Gloria Iberl-Thieme als Kind wirkt mit ihrer Maske eigentümlich entrückt. Wie sehr sich die Wahrnehmung von Kindern und Erwachsenen unterscheidet, wird quasi mit Händen greifbar.

Silvia Jedrusiak hat sich ein unerschöpfliches Thema vorgenommen, entsprechend bunt ist ihre künstlerische Darstellung, die das gesamte Pumpenhaus einnimmt. Ihr „polychromes Triptychon“ ist in Kooperation mit den Designern der Fachhochschule Münster auch „Herbarium“ (Fotoausstellung) und Experimentierfeld („Laboratorium“). Im Foyer blickt man in skeptische, ernste, zufriedene Gesichter: 75 Porträt-Aufnahmen vor sattem Grün. Ein Katalog verrät Namen und Familiengeschichten.

Im Keller markieren Wachstumsstadien einer Tomate prägnante Lebensphasen, die in Mitmach-Stationen zur Selbstreflexion animieren. Wie lässt sich der Alltag mit Baby organisieren? Wie navigiert man das Kind zum Glück? Und welche Geheimnisse hatte man selbst damals, in der Pubertät?

Ein originelles Kunst-Stück, wohltuend ironisch und ganz nah dran.

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