„Die Neu-Erfindung Europas“ von Thomas Nufer
Wenn Politik Liebe macht

Münster -

Ein wenig vollgepackt war es schon, das neue Theaterstück von Thomas Nufer. Der Autor und Regisseur aus Münster stellte das Projekt jetzt vor Oberstufenschülern des Schiller-Gymnasiums in einer Generalprobe vor. Am 10. November wird „Die Neu-Erfindung Europas“ in Köln uraufgeführt, geht danach auf Tournee durch mindestens 20 NRW-Städte und wird am 9. Mai im Plenarsaal in Düsseldorf gezeigt.

Freitag, 04.11.2016, 05:11 Uhr

Kränkelnde Europa im Rollstuhl: Wie es dazu gekommen ist, erzählt das Stück „Die Neu-Erfindung Europas“ von Thomas Nufer, in dem europäische Figuren wie von Charles de Gaulle und Konrad Adenauer (kl. Bild oben) bis Angela Merkel auftreten.
Kränkelnde Europa im Rollstuhl: Wie es dazu gekommen ist, erzählt das Stück „Die Neu-Erfindung Europas“ von Thomas Nufer, in dem europäische Figuren wie von Charles de Gaulle und Konrad Adenauer (kl. Bild oben) bis Angela Merkel auftreten. Foto: Joachim Miller

Der Blick ist lange Zeit keineswegs in die Zukunft gerichtet, sondern zeichnet einen Abriss der europäischen Geschichte seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges nach – inhaltlich immer bezogen auf das Entstehen der EU . Stoff ist also vorhanden in Hülle und Fülle und wird auch reichlich verarbeitet: die Neuordnung Europas nach dem Zweiten Weltkrieg, die Montanunion, die Gespräche deutscher und französischer Spitzenpolitiker, die Gründung der Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG), die Überführung in die Europäische Union (EU), die Einführung des Euro.

Hinzu kommt: Die gewonnene Fußball-Weltmeisterschaft 1954 wird orgiastisch als Geburt der Nation in Szene gesetzt; die Gastarbeiter-Bewegung genutzt, den ewigen Flüchtling zu kreieren; der Mauerbau und -fall aufgegriffen, um die deutsche Frage innerhalb der europäischen Historie zu thematisieren.

Das Stück transportiert auf spielerisch-gewitzte Weise Geschichtswissen, was auch bitter nötig scheint, wenn man eingespielte Befragungen von Münsteranern auf dem Prinzipalmarkt zugrundelegt. Da weiß kaum einer, welches Land nicht zur EU gehört („Madagaskar, oder?“), wie lange es die EU schon gibt („300 Jahre“, „500 Jahre“ sind ernst gemeinten Antworten) oder wer der König der EU sei ( Helmut Kohl , sogar Jogi Löw werden vollkommen ironiefrei genannt).

Das Ganze mag sich nicht als Theaterkonzept anhören, funktioniert aber bestens. Ein locker gefügter Szenenreigen sorgt für Tempo, dramaturgischer Ideenreichtum für überraschende Effekte, Maskenspiel für Abwechslung, Personifizierungen für Heiterkeit: So muss der sächselnde Honecker vom Sonnenmann erst ins Hochdeutsche übersetzt werden oder tanzt Adenauer mit de Gaulle zu einem Caterina-Valente-Song einen Walzer. So sei es eben, wenn „Politik Liebe macht“.

Die Schauspieler Christiane Hagedorn, Andreas Breiing, Eckehard Ischebeck und Martin Schlathölter müssen eine Vielzahl von Personen darstellen: von Frau Europa über Angela Merkel bis zur Königin von England, von Konrad Adenauer und Charles de Gaulle über Walter Ulbricht und Erich Honecker bis zu Helmut Kohl und Francois Mitterand. Hinzukommen neben Finanzjongleur, Bankangestellter und Fahrkartenkontrolleur Bauer, Schwarzfahrer, polnische Werftarbeiter, Flüchtling, Losverkäufer, Pegidist, Priester und: die Sonne.

Projektträger ist die Europa-Union NRW. Die Europa-Union Deutschland (EUD) ist die größte Bürgerinitiative für Europa in Deutschland und unabhängig von Parteizugehörigkeit. Nufers Vorgänger-Stück „Euro-WG“ hat sich Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble angesehen und ist immer noch unterwegs.

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