Do., 24.11.2016

Fantastisches Objekttheater: „Multiverse“ von Louis Vanhaverbeke im Pumpenhaus Pfannkuchen vom rotierenden Kocher

Ein Kind, das vor Kreativität nur so strotzt, ist Louis Vanhaverbeke in seinem „Multiverse“ im Pumpenhaus.

Ein Kind, das vor Kreativität nur so strotzt, ist Louis Vanhaverbeke in seinem „Multiverse“ im Pumpenhaus. Foto: Philippe Digneffe

Münster - 

Fantasie schafft Parallel-Welten. Louis Vanhaverbeke (Performer des renommierten belgischen Theaterlabels „Campo“) kleidet sie nicht nur in Worte, sondern baut sie gleich auf der Pumpenhaus-Bühne auf.

Von Isabell Steinböck

Ein junger Mann hockt auf einer Kiste und rappt Prosa ins Mikrofon: poetische Texte um unsere Erde, den Wechsel von Tag und Nacht, Leben und Tod. Fantasie schafft Parallel-Welten. Louis Vanhaverbeke (Performer des renommierten belgischen Theaterlabels „Campo“) kleidet sie nicht nur in Worte, sondern baut sie gleich auf der Pumpenhaus-Bühne auf. Putzeimer, Gießkanne, Frisbee und Kisten markieren eine Planetenlaufbahn, die der Künstler mit Tempo nachvollzieht, wenn er – eine rotierende Sprühflasche am Finger – wie wild im Kreis rennt. Ein Objekt von vielen, das die Sicht auf seinen kleinen Kosmos, dieses Sammelsurium an Parallelwelten ausmacht: „ Multiverse “.

Louis Vanhaverbeke wirkt auf der Bühne wie ein Kind, das vor Kreativität nur so strotzt. Zu unvergessenen Hits von John Miles , The Police oder Survivor lässt sich der Performer aus einer Sprühflasche Wasser ins Gesicht regnen, setzt eine blonde Langhaar-Perücke auf und rennt als Parodie auf Amerikas Freiheitsstatue mit einer brennenden Fackel über die Bühne. Zum Schreien komisch ist dieses Bild, ebenso wie sein verschämter Ausflug ins Showbiz, wenn sich der junge Mann erst hinter einem roten Regenschirm verschanzt, um dann mit einer Plastikkiste um die Hüften wieder aufzutauchen. Poetisch dagegen der Moment, als er, in einer Projektion aus Meereswellen stehend, ein Liebeslied in das Mikrofon singt.

Vanhaverbeke ist ein Multitalent, das sein Publikum durch Ideenreichtum und Originalität wiederholt in Erstaunen versetzt. Eine Figur, die unberechenbar wirkt und doch alles bis ins Detail geplant und austariert hat. Mit Vinylplatten, Turntables und ausrangierten Skateboards gelingen die abenteuerlichsten Konstruktionen: Auf einem rotierenden Campingkocher backt ein Pfannkuchen. Wenn ihn der Künstler auf der laufenden Schallplatte, dekoriert mit Sahne, ins Rampenlicht stellt, weckt das Assoziationen an eine Insel. Kurios auch sein mobiles Raumschiff aus Putz-Utensilien und Feuer, wenn es langsam über die Bühne zieht.

Immer neue Räume tun sich auf, immer fantastischere Welten entstehen, bis einer der Gegenstände plötzlich lebendig zu werden scheint. Ein Plattenspieler lässt Walzermusik ertönen und fordert den jungen Mann zum Tanz auf: Vanhaverbeke dreht sich ein letztes Mal – schön.

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