So., 04.12.2016

Düsterer Stoff mit minimalistischer Komik Gestalten aus dem Dunkel

Rebekka (Astrid Kohlhoff) hat intrigiert.

Rebekka (Astrid Kohlhoff) hat intrigiert. Foto: Pumpenhaus

Münster - 

Die Bühne im Pumpenhaus ist nicht gerade klein. Trotzdem beschränkt sich Christian Fries bei seiner Inszenierung von Henrik Ibsens „Rosmersholm“ auf eine Handvoll Stühle als Requisiten. Und die stehen auch noch denkbar weit auseinander. So sitzt Pastor Rosmer in einer Ecke, seine Geliebte Rebekka in der gegenüberliegenden. Das Gespräch, das sie führen, wirkt mehr wie ein Abspulen von Text: kalt, nüchtern und immer darauf ausgelegt, sich gegenüber dem anderen zu behaupten. Ein Schlagabtausch wie bei einem Tennismatch. Und genauso geht der Blick des Zuschauers ständig hin und her. Eine besonders heimelige Stimmung ist das nicht. Aber das würde auch nicht zu dem 1887 uraufgeführten Stück passen, in dem Ibsen ein Gesellschaftsbild zeichnet, das von Zwängen, Traumata und verdrängten Schuldgefühlen geprägt ist.

Von Helmut Jasny

Im Mittelpunkt steht Pastor Rosmer, dessen Frau sich ertränkt hat. Warum? Weil ihre Ehe kinderlos geblieben ist? Weil ihre Nerven zerrüttet waren, wie ihr Mann meint? Oder weil ihre Gesellschafterin Rebekka ein bisschen intrigiert hat, wie sich im Lauf der Handlung herausstellt?

Insofern würde die schwere Gangart, die das Ensemble zu Beginn der zweistündigen Aufführung einschlägt, durchaus zum Stoff passen. Für das Publikum wäre das freilich ein harter Abend. Vermutlich deshalb versucht Fries , immer wieder Komik aus der verfahrenen Situation herauszukitzeln. Und zwar auf wunderbar minimalistische Weise.

In einer Szene marschieren Charles Toulouse als Rosmer und Astrid Kohlhoff als Rebekka redend und wie aneinandergeklebt über die Bühne und nehmen dabei dezente Anleihen bei Monty Pythons „Ministerium für albernes Gehen“. Jan Uplegger als Rebekkas Gegenspieler Kroll taucht wie auf einer Puppenbühne aus dem Bühnenaufgang auf. Ebenfalls aus dem Dunkel der Vergangenheit mischt sich Rosmers alter Hauslehrer ins Geschehen. Ludmilla Euler, die diese und andere Nebenrollen spielt, benutzt dafür eine Luke im Bühnenboden, die sich unerwartet auftut.

Diese kleinen und gut dosierten Einlagen bilden einen wirksamen Kontrast zur todernsten und schließlich auch tödlich endenden Geschichte. An sich sind das ja Verfremdungseffekte. Aber komischerweise verfremden sie hier gar nicht, sondern fügen sich nahtlos in die trotz der düsteren Thematik höchst sehenswerte Inszenierung.

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