So., 22.01.2017

Im Boxring für Gerechtigkeit Schlag für Schlag gegen die Krisen der Welt

 

  Foto: Jose Caldeira

Münster - 

Der Schlagabtausch beginnt mit einer Reminiszenz an den berühmten „Rumble in the Jungle“, bei dem sich Muhammad Ali 1974 in Kinshasa den Weltmeistertitel zurückholte, der ihm Jahre zuvor aus politischen Gründen aberkannt worden war. Und genau wie damals bei Ali und Foreman geht es bei „Monday: Watch out for the right“ um mehr als nur ums Boxen. Auch wenn die portugiesische Choreografin Cláudia Dias dafür extra einen Boxring ins Pumpenhaus gebaut hat, in dem sie und ihr Partner Jaime Neves in voller Montur aufeinander eindreschen.

Von Helmut Jasny

Als theoretischer Überbau dienen Texte des spanischen Dichters Pablo Fidalgo Lareo, die im Original rezitiert und deutsch übertitelt werden. Es geht darin um Politik, um Wirtschaft und darum, was beides mit den Menschen macht. Wie man sich dagegen wehren kann, ist ebenfalls ein Thema. „Kann der Kampfgeist des Boxers ein Vorbild für die Kunst sein?“ lautet eine der Fragen. Und soll man versuchen, mit dem Verstand zurückzuschlagen gegen das, was Eurokrise , Arbeitslosigkeit, Migration und Depression anrichten?

Antworten liefern die Texte nicht. Nicht auf konkrete Fragen und auch nicht auf allgemeine wie die, ob man Glück und Liebe vom Leben fordern oder sich bescheiden soll. Ist es gut, das Potenzial zu verschleudern, das die Kunst hat, oder soll man versuchen, damit hauszuhalten? Die Antworten sind dem Zuschauer überlassen.

Denkanstöße bekommt er aus dem Kampfgeschehen, das es allerdings zu interpretieren gilt. Das ist manchmal schwerer, manchmal leichter. Eine Frage nach den Zusammenhängen von Bankenrettung und Austeritätspolitik führt zu einem Schlagabtausch , der beide Parteien auf die Bretter schickt.

Nach neun Runden rüsten die Kombattanten ab. Die Trikots werden gegen Straßenkleidung getauscht und der Kampf für die restlichen drei Runden in Richtung Tanz abstrahiert. Das Klammern der Boxer verwandelt sich in eine Umarmung, die unweigerlich die Frage nach Liebe stellt. Manifestiert sich diese, wenn man zusammen auf die Straße geht, um zu demonstrieren? Und ist man dann nicht wieder mitten im Kampf? Es gibt viel nachzudenken bei dieser Aufführung, die so gegensätzliche Genres wie Boxen und Poesie zusammenbringt und dabei inhaltlich und ästhetisch gleichermaßen überzeugt.

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