So., 19.02.2017

Miet Warlop begeistert durch furiose Rock-Groteske im Pumpenhaus Irrwitzige Materialschlacht

Zwischen Konzert und Wahnwitz: Auf der Bühne des Pumpenhauses geschehen ungewöhnliche Dinge.

Zwischen Konzert und Wahnwitz: Auf der Bühne des Pumpenhauses geschehen ungewöhnliche Dinge. Foto: Reinout Hiel

Münster - 

Wie eine Puppe steht Miet Warlop im Rampenlicht. In silbernem Glitzerkleid dreht sich die Performerin auf einem Podest, als sei sie Teil einer überdimensionierten Spieluhr, während drei Musiker, mit den Rücken zum Publikum, davon singen, „excited“ – aufgeregt – zu sein. Aufregend wird es allemal in dieser außergewöhnlichen Pumpenhaus-Vorstellung, die Rock-Konzert und Performance zugleich ist, mitunter an Zirkus erinnert und mit groteskem Humor eine sich furios steigernde Dramaturgie entwickelt, die zu einer Materialschlacht sondergleichen führt. „Fruits of labor“, Früchte der Arbeit, nennt die belgische Regisseurin Miet Warlop ihren bildgewaltigen Abend, der bis zum Schluss unberechenbar bleibt. Wirkt die Bühne mit den kunstvoll verhängten Instrumenten zunächst wie ein Varieté, wandelt sie sich sekundenschnell in ein grelles Rockkonzert. Mal greifen die Musiker mit Enthusiasmus in die Saiten ihrer E-Gitarren, mal stehen sie in Slow-Motion auf der Bühne. Selbstironisch demaskieren die Künstler ihre große Show, wenn sich strahlende Gesichter zu Masken verzerren, während Rockmusik zu Katzenjammer wird.

Von Isabell Steinböck

Prägnant und wunderbar komisch wirkt der schlaksige Tim Coenen , wenn er mit hängenden Schultern und klackenden Schritten von einem Drumset zum nächsten geht, eine Karikatur seiner selbst. Miet Warlop wagt einen ungeahnten Umgang mit Tönen und Geräuschen, indem sie es auf Trommeln regnen lässt, Styropor schmerzhaft-knirschend über den Boden zieht oder eine Plattennadel über eine Holzscheibe jagt, während sich Wietse Tanghe wie ein Möchtegern-Derwisch um die eigene Achse dreht. Eine Figur, die sich von Szene zu Szene wandelt. Mal wirkt er wie ein Märtyrer, mal schlüpft er in die Rolle eines tragikomischen Opernsängers, dann schwebt er plötzlich, wie von Zauberhand getragen, zentimeterhoch über einem Podest .

Miet Warlop bringt ein wahres Feuerwerk skurriler Einfälle auf die Bühne, flutet den Boden in hohem Bogen mit buntem Wasserstrahl und vermittelt doch mehr als reines Spiel. Schwefeliger Geruch weckt die Assoziation an Teuflisches, ein überdimensionierter Zeigefinger baut sich mahnend vor dem Publikum auf, die Aktion auf der Bühne nimmt apokalyptische Ausmaße an. Der Untergang der Welt – irre.

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