Di., 28.02.2017

Kammertheater Kleiner Bühnenboden stellt Stück über „Sexting“ vor Viel schlimmer als nur peinlich

Die Aliens „Anti“ und „Virus“ sammeln Informationen über ein seltsames Verhalten von Menschen: „Sexting“.

Die Aliens „Anti“ und „Virus“ sammeln Informationen über ein seltsames Verhalten von Menschen: „Sexting“. Foto: Edda Klepp

Münster - 

Sie“ findet es „sexy und romantisch“, erotische Fotos von sich zu verschicken. „Er“ hingegen hat damit schlechte Erfahrungen gemacht: „Es ist nicht peinlich – es ist viel schlimmer“, sagt er. Der Mann fühlt sich emotional völlig am Boden. Weil der Empfänger ihn mit den eigenen Nacktbildern bloßgestellt hat.

Von Klaus Möllers

„Sie“ findet es „sexy und romantisch“, erotische Fotos von sich zu verschicken. „Er“ hingegen hat damit schlechte Erfahrungen gemacht: „Es ist nicht peinlich – es ist viel schlimmer“, sagt er. Der Mann fühlt sich emotional völlig am Boden. Weil der Empfänger ihn mit den eigenen Nacktbildern bloßgestellt hat.

Je nachdem, wie der Adressat mit solch intimen Bildnissen umgeht, so eindringlich können die Erlebnisse sein – schön und aufregend, eine neue sexuelle Erfahrung. Oder womöglich gar selbstzerstörerisch. Um das Sexting (also das Versenden privater, digitaler Bilder) dreht es sich im aktuellen Stück im Theater „Der kleine Bühnenboden “. Am Sonntagabend stand die Premiere an. „Www – welt weit weg“ lautet der Titel, abgewandelt von der ursprünglichen Bedeutung des Kürzels „www“ für „world wide web“.

Johanna Kollet und Stefan Nászay wechseln in dem gut einstündigen, hinsichtlich der Ausstattung minimalistisch angelegten Stück die Rollen zwischen Akteuren, die Erfahrungen mit Sexting machen, sowie den Aliens „Anti“ und „Virus“. Als Erd-Fremde fangen die mit ihren Empfangsgeräten Informationen über dieses Menschen-Phänomen auf und teilen sich in roboterhafter Sprache mit. Szenisch untermalt von mechanischen Klängen und Stroboskop-Licht.

So hat „Sie“ etwa Fotos mit entblößtem Busen an jemanden via Smartphone gesendet, den sie begehrenswert fand. Doch über „Ihn“ gelangten die „Pics“ schließlich an dessen Freunde, dann in eine WhatsApp-Gruppe. Andere meinten, die Dateien in den unendlichen Weiten des Internets weiter zu „teilen“ und kommentieren zu müssen. Folge: Private freizügige Einblicke waren plötzlich nicht nur bei dem erwünschten Menschen, sondern wurden zu Angriffsfläche für jedermann. Sogar für Erpressungsversuche. „Sie“ ist verzweifelt: „Ich kann diese Fotos nie loswerden. Sie sind da draußen für immer“, heißt es im Kommentar aus dem Off.

Johanna Kollet und Stefan Nászay zeigen zum einen die bedrohliche Seite, die „Sexting“ haben kann, und zum anderen aber auch in logisch und emotional nachvollziehbaren Szenen konstruktiv Lösungswege auf. Zum Beispiel macht der Partner ungefragt Nackt-Fotos des anderen unter der Dusche oder „einfach so“ im Bikini. „Hör auf, ich mag das nicht“, lautet die Antwort. Gerne auch lauter und eindringlicher, damit der voyeuristische Aufdrängler Grenzen respektiert. Eingespielt werden per Band rechtliche Hinweise, wann die Verbreitung von Bildern anderer eine Straftat werden kann.

Entstanden ist das Stück „www – welt weit weg“ für Erwachsene und Jugendliche ab 14 Jahren in Zusammenarbeit des Kammertheaters mit dem Sexualpädagogen Alexander Daum von der AWO und dem Kinder- und Jugendtheater „Naseweis“.

„Wir würden das Stück gerne auch an Schulen zeigen. Ich glaube, dass die kulturelle Arbeit die pädagogische Arbeit gut unterstützen kann“, erklärte Dramaturgin Edda Klepp am Rande der Aufführung.

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Weitere Aufführungen finden am 12. März (18 Uhr) und am 30. April (15 Uhr) auf dem Kleinen Bühnenboden, Schillerstraße 48a, statt. Karten: ' ' 66 17 59.

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