Mo., 03.04.2017

Günter Neuberts Kantate „Ein feste Burg ist unser Gott“ uraufgeführt Wort gegen vermeintlich Mächtige unserer Tage

Der Heinrich-Schütz-Chor unter Ludwig Wegesin (hier mit Bariton Christoph Scheeben) brachte in der Erlöserkirche Günter Neuberts Kantate erstmalig vollständig zu Gehör.

Der Heinrich-Schütz-Chor unter Ludwig Wegesin (hier mit Bariton Christoph Scheeben) brachte in der Erlöserkirche Günter Neuberts Kantate erstmalig vollständig zu Gehör. Foto: cws

Münster - 

Hiob ist ein vom Schicksal arg geschlagener Mann. Kein Unheil, das nicht über ihn gekommen wäre. Bei all seinem Zweifel an Gott kommt ihm die Erkenntnis, dass gottgefälliges Handeln nicht schnurgerade zu einem guten Leben führt. Denn Hiob weiß: Ein gelingendes Leben bedarf göttlicher Gnade.

Von Chr. Schulte im Walde

Genau diese Einsicht des alttestamentlichen Hiob ist für den in Leipzig lebenden Komponisten Günter Neubert der Anknüpfungspunkt zu Martin Luthers Choral „Ein feste Burg ist unser Gott“. Die vier Liedstrophen des Reformators liefern das Fundament zu Neuberts Choralkantate, die am Sonntag in der Erlöserkirche vom Heinrich-Schütz-Chor unter seinem Leiter Ludwig Wegesin zur Uraufführung kam. Einst als Hymne gegen Papst und römische Kirche gerichtet, kann man „Ein feste Burg“ auch ganz zeitlos und damit für uns Heutige interpretieren. So wie Günter Neubert: als Wort gegen die vermeintlich Mächtigen unserer Tage, als Absage an menschlichen Stolz, als Kritik am Götzenkult. „Es ist kein andrer Gott, das Feld muss er behalten“!

Neuberts rund 30-minütige Kantate ist zeitgenössische Kirchenmusik im besten Sinn. Sie wurzelt in ihrem Verkündigungsauftrag, weshalb das Bibelwort ganz und gar im Mittelpunkt steht. Mezzosopran und Bariton (äußerst vorzüglich besetzt mit Stephanie Lesch und Christoph Scheeben) deklamieren die Worte Hiobs, der bis zu siebenstimmige Chor transportiert den auf unterschiedliche Weise „verfremdeten“ Luther-Choral, den auch das Kourion-Orchester mal rhythmisch „stört“, mal kunstvoll verziert oder mit Paukentönen anreichert. Das ist nirgends spektakulär oder gar plakativ – eher schnörkellos protestantisch. Für Wegesins Chor gewiss eine Herausforderung, die problemlos gemeistert wurde.

Was stellt man einer solchen Uraufführung an Musik zur Seite? Ludwig Wegesin entschied sich für Händels Orgelkonzert Nr. 1 g-Moll. Eine gute Wahl, denn so waren wirklich zwei völlig verschiedene Welten in einem Programm vereint. Und mit Christoph Grohmann saß ein Organist an der Collon-Orgel, der dank stilistischer Sensibilität und brillanter Spieltechnik keinerlei Wünsche offen ließ, sich aber nie in den Vordergrund rückte, sondern sich als primus inter pares begriff. So soll es sein!

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