Fr., 07.04.2017

Fringe-Ensemble zeigt „Macbeth over Europe“ „Hat das alles nie eine Ende?“

Maria, Madonna und Merkel hängen als Porträts mit zugenähten Mündern über den Szenen, die sich sechs Autoren aus Europa zum „Macbeth“-Drama von Shakespeare ausgedacht haben.

Maria, Madonna und Merkel hängen als Porträts mit zugenähten Mündern über den Szenen, die sich sechs Autoren aus Europa zum „Macbeth“-Drama von Shakespeare ausgedacht haben. Foto: Grönemeyer

Münster - 

Da hängen sie mit rot zugenähten Mündern: Porträts von Pop-Star Madonna und Bundeskanzlerin Merkel, daneben eine christliche Ikonographie Marias. Sie verweisen auf Hilflosigkeit in einem Land, das Demonstranten für freie Meinungsäußerung mit Schmerzen und Freiheitsentzug bezahlen lässt.

Von Isabell Steinböck

Regisseur Frank Heuel bringt „The Play: Das Schweigen“ des russischen Dramatikers Alexander Moltschanow in klaren Bildern auf die Bühne des Pumpenhauses. Letzterer gehört zu einem sechsköpfigen Autorenteam, das auf Grundlage von Shake­speares „Macbeth“ ein Stück zur politisch-gesellschaftlichen Realität seines Landes geschrieben hat.

Unter dem Titel „Macbeth over Europe“ rückt Motschanow zwei Erzählebenen parallel ins Rampenlicht: Während aus dem Off die Geschichte eines homosexuellen Paares erklingt, das sich unter dem Druck der Öffentlichkeit selbst zerfleischt, steht ein Mann mit Pistole auf der dunklen Bühne. „Wer sich dem Befehl widersetzt, ist schon tot“, klingt es aus dem Off. Die letzte Freiheit: Selbstmord.

Obgleich dieses erste Drama – vielstimmig und multiperspektivisch angelegt - verwirrend inszeniert ist, überzeugt es doch, getragen vom versierten Bonner ­Fringe-Ensemble, als beklemmend aktuelle Tragödie. Mit schnellen Übergängen und diversen Blickrichtungen fehlt den fünf sich anschließenden Stücken mitunter der rote Faden; gleichwohl vermitteln sich Angst, Verzweiflung und Verunsicherung in einer um Demokratie und Freiheit ringenden Welt auf bezwingende Weise.

Manuel Klein mimt einen skrupellosen Manager, der in Goran Ferčecs Anti-Kapitalismus-Drama an seiner eigenen Profitgier zugrunde geht. Der lettische Autor Ivo Briedis lässt den spielfreudigen David Fischer mit der Theater-Rolle des Macbeth ringen. Ein groteskes Stück, das durch den Kontrast aus mittelalterlicher Kostümierung und modernen Texten für Lacher sorgt.

Lothar Kittstein stellt Macbeth als skrupellosen Erfolgsmenschen dar. Ceren Ercan lässt den rachedurstigen Sohn Banquos einen Bürgerkriegsflüchtling ermorden; in einer Mischung aus Faszination und Angst übernimmt er dessen Identität.

Marie Nimier schließlich bombardiert ihr Publikum mit 350 Fragen und zeichnet das zeitlose Bild einer Gesellschaft, die sich zwischen profanen Problemen und massiver Existenzangst selbst finden muss: „Hat das alles nie eine Ende?“

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„Macbeth over Europe“ ist noch mal am Samstag (8. April) um 20 Uhr im Pumpenhaus, Gartenstraße 123, zu sehen. Karten im Pumpenhaus: ' 23 34 43.

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