Fr., 21.04.2017

Gertrudis Sieg führte das Deller-Tagebuch der Angelmodder Gartenfreunde Siebeneinhalb Kilo Erinnerungen

Gertrudis Sieg und das Gartentagebuch: Es ist Teil eines Projekts des britischen Künstlers Jeremy Deller, der 54 Kleingärtnervereine in Münster dafür gewonnen hat, für die Ausstellung Skulptur Projekte Münster aus ihrem Gartenleben zu plaudern.

Gertrudis Sieg und das Gartentagebuch: Es ist Teil eines Projekts des britischen Künstlers Jeremy Deller, der 54 Kleingärtnervereine in Münster dafür gewonnen hat, für die Ausstellung Skulptur Projekte Münster aus ihrem Gartenleben zu plaudern. Foto: mlü

Münster-Angelmodde - 

Gartenfreunde Angelmodde beteiligen sich an einem Projekt des britischen Künstlers Jeremy Deller für die Ausstellung Skulptur-Projekte 2017.

Von Markus Lütkemeyer

Das Buch hat, wie man so sagt, mit den Jahren Charakter bekommen. Es wurde immer wieder in die Hand genommen, lag bei den Sommerfesten im Kleingarten Angelmodde aus, wurde rumgereicht. Kein Wunder, dass es mittlerweile Eselsohren und Fettflecken hat – das gehört dazu. Die Patina zeugt von einem lebendigen Umgang. „Nehmen Sie es ruhig in die Hand“, sagt Gertrudis Sieg von den Gartenfreunden an der Homannstraße. „Das Ding ist schließlich nicht hochheilig.“

Leichter gesagt als getan: Siebeneinhalb Kilo wiegt das Trumm von Tagebuch, und es platzt aus allen Nähten. Das grüne Buch ist Teil eines Projekts des britischen Künstlers Jeremy Deller, der vor zehn Jahren 54 Kleingärtnervereine in Münster dafür gewonnen hat, für die Ausstellung Skulptur-Projekte 2017 aus ihrem Gartenleben zu plaudern. Während andere Kleingartenvereine handschriftliche Notizen verfasst haben, oder gepresste Blüten eingeklebt haben, dominieren im Angelmodder Tagebuch eingeklebte Fotos vom Zusammenleben der Gartenfreunde. Bei ihnen ist eben alles etwas handfester, „ein paar Fotos kleben schief wegen meiner Sehschwäche“, erzählt Gertrudis Sieg. „So wie es ist, passt es zu uns.“

Die Gärtnerin blättert durch die vielen hundert Seiten, jeweils fünf für jeden Monat. Hier blitzen Fotos vom Aufbau eines „Bienen-Hotels“ auf. Dort ein Text über das vergangene Sommerfest. Es gibt Fotos von kurios gewachsenen Kartoffeln und Paula dem Hofhund. Bei einem Treffen mit dem Künstler Jeremy Deller konnte Sieg ein Autogramm ergattern. „Das ist so toll!“, freut sich Gertrudis Sieg. Zehn Jahre lang hat sie sich im Verein um das Füllen der Seiten gekümmert. „Dieses Buch ist einfach mein Baby“, sagt sie stolz. Gut, dass das Landesmuseum den Vereinen angeboten hat, ihre Tagebücher zu kopieren, bevor sie ausgestellt werden.

„Die Führung des Gartentagebuches wurde mit den Jahren sehr zeitaufwendig und war teilweise recht mühsam, weil das Interesse bei den anderen Gartenfreunden dann auch irgendwann stark nachgelassen hatte“.

In den vergangenen zehn Jahren war Gertrudis Sieg einige Jahre als zweite Vorsitzende aktiv, da fiel es ihr leichter, neues Tagebuchmaterial zu sammeln. Ihr Mann hat sie beim Korrekturlesen unterstützt. „Wiederholungen sind nach zehn Jahren vorprogrammiert, alleine schon wegen der sich wiederholenden Jahreszeiten.“

Wird sie das Tagebuch vermissen, jetzt wo das Projekt abgeschlossen ist? „Für mich selbst führe ich ja sowieso Tagebuch“, sagt Gertrudis Sieg.

Zum Thema

Jeremy Deller hat 2007 Münsters Kleingärtner gebeten, für sein Skulptur-Projekt zehn Jahre lang Tagebuch zu führen. Die Westfälischen Nachrichten haben einen Blick in die opulenten Werke geworfen.

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