So., 07.02.2016

Ute Lemper gratuliert dem Theater der Stadt Münster zum 60. Geburstag und erntet Ovationen Mit Glanz und Wehmut

Ute Lemper inmitten ihrer famosen Musiker. Sie bot in Münster die ganze Bandbreite ihres sängerischen Könnens.

Ute Lemper inmitten ihrer famosen Musiker. Sie bot in Münster die ganze Bandbreite ihres sängerischen Könnens. Foto: Rüdiger Wölk

Münster - 

Das Konzert ist noch längst nicht zu Ende, da will der Applaus schon gar nicht mehr aufhören. Fast ein wenig ungläubig schaut Ute Lemper ins Publikum: Ist das wirklich jenes Münster, das sie vor Jahrzehnten verließ, um in Berlin, London, Paris und New York die Bühnen der Welt zu erobern? Ja, es ist ihr Münster. Lemper genießt den Beifall sichtlich, lächelt – und singt weiter.

Von unseremRedaktionsmitgliedMartin Kalitschke

Der Weltstar aus Münster ist am Samstagabend in seine Heimat zurückgekehrt, um vor ausverkauftem Haus den 60. Geburtstag des Theaters zu feiern. Das zweistündige Konzert entführt das Publikum auf eine musikalische Weltreise: Jazz aus New York, Chansons aus Paris, Tango aus Buenos Aires, freche Lieder aus dem Berlin der 1920er Jahre – die Lemper zeigt die ganze Bandbreite ihres musikalischen Könnens.

Und was sie kann! Immer wieder treibt sie ihre Stimme zu Höchstleistungen, singt so leise, dass sich im Theater niemand rühren mag, reißt das Publikum im nächsten Moment mit der „Feschen Lola“ förmlich von den Sitzen, improvisiert zehn Minuten am Stück Jazz auf allerhöchstem Niveau. Schnell wird dem Publikum klar: Hier steht eine Künstlerin auf der Bühne, die sich auf dem Gipfel ihres Könnens befindet.

Ein denkwürdiger Abend – auch für die Lemper, die sich wehmütig an die Anfänge ihrer Karriere in eben jenem Haus erinnert. „Alles kommt plötzlich zurück in meinem Kopf“, sagt sie - und dass es eine ganz große Ehre sei, gerade an diesem Abend auf der Bühne zu stehen. Bereits da, ganz zu Beginn, branden die ersten „Bravo“-Rufe auf, die am Ende in minutenlange Standing Ovations münden werden – trotz einiger augenzwinkernder Seitenhiebe auf jene Stadt, die der Wahl-New-Yorkerin einst schnell viel zu eng wurde. Diese grauen westfälischen Sonntage, diese westfälischen Männer ...

Zum Glück, möchte man sagen, kehrte sie Münster den Rücken — denn erst die Flucht in die Welt machte sie zu dem, was sie heute ist. Und so gerät der Abend über weite Strecken auch zu einer Reise in ihre eigene Biografie. In Paris lernte sie die Piaf lieben – im Stadttheater singt die Lemper mit „Milord“ und „Je ne regrette rien­“ gleich zwei Songs der unsterblichen Französin. Daneben gibt es Chansons von Jacques Brel und Astor Piazzolla, immer wieder Jazz, meisterhaft frei improvisiert und ebenso meisterhaft von ihren wunderbaren Musikern begleitet — aber auch jiddische Lieder aus dem KZ Theresienstadt, deren Komponisten ermordet wurden. Nein, das ist kein Gassenhauer-Abend zum Mitsingen und Mitschunkeln, vielmehr geht es über weite Strecken melancholisch und nachdenklich zu. Keine Frage: Die Lemper fordert ihr Publikum, als wolle sie den Münsteranern zeigen, was sie kann – und das Publikum lässt sich nur allzu gerne fordern.

Der Applaus am Ende beweist nicht nur, dass sie mit ihrem anspruchsvollen Programm genau richtig gelegen hat – er ist auch eine Liebeserklärung der Münsteraner an ihren Weltstar. „Da möchte ich ja fast wieder nach Münster zurück ziehen“, sagt Ute Lemper, zwinkert, wirft keck den Kopf über die Kopfschulter, lacht. Dann verschwindet sie im Dunkel des Bühnenraumes. Zurück bleibt ein restlos begeistertes Publikum, das noch klatscht, als die Lemper längst verschwunden ist. Was für eine Frau! Was für ein Abend!

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