Mi., 13.04.2016

Prof. Sprang im Theatertreff über Shakespeares „Macbeth“ „Psychologie gab es noch nicht“

Theatergespräch mit (v. l.) Maximilian Scheidt, Christiane Hagedorn und Prof. Dr. Felix Sprang

Theatergespräch mit (v. l.) Maximilian Scheidt, Christiane Hagedorn und Prof. Dr. Felix Sprang Foto: Isabell Steinböck

Münster - 

Wer hat „Schruntenfingern“ und „knisterdürren Lippen“? Prof. Dr. Felix Sprang erläuterte es im Theatergespräch.

Von Isabell Steinböck

„Was ist das für ein blutiges Stück Mensch?”, fragt Duncan, König von Schottland, nach der Schlacht gegen Swenos norwegische Truppen in William Shakespeares berühmter Tragödie „Macbeth“. Es ist ein Krieger, der von den Heldentaten des titelgebenden Feldherrn erzählen wird.

Für Prof. Dr. Felix Sprang vom Institut für Anglistik und Amerikanistik der Universität Siegen klingt mit dieser Frage (Übersetzung: Frank Günther ) ein Leitmotiv des shakespearischen Dramas an. Es gehe um das Verhalten des Menschen an sich. „In konzentrischen Kreisen nähern wir uns immer mehr der Figur.“ Mit Psychologie sei „Macbeth“ allerdings kaum beizukommen: „Die gab es in der Zeit noch nicht.“

In prägnanten Ausschnitten, professionell gelesen von den Schauspielern Christiane Hagedorn und Maximilian Scheidt, geht der Anglist dem Drama im Rahmen der „ Theatergespräche “ auf den Grund. Im voll besetzten Theatertreff rückt er die Aufmerksamkeit auf lautmalerische Sprachbilder, wenn von „Kanonen, überstopft mit Doppelknall“ die Rede ist, passend zur Redewendung: „to hear a play“. Im Theater des 16. / 17. Jahrhunderts hatten Geräusche mitunter praktische Funktion. „Das Publikum sollte bemerken, dass das Stück beginnt.“ Die Hexenszene mit Donner und Blitz sei sehr brauchbar gewesen. „Die kann man auch wiederholen.“

Im Zusammenhang mit den drei Schicksalsschwestern ist es Sprang wichtig zu betonen, dass Hexenverfolgungen weniger im Mittelalter als in der frühen Neuzeit stattfanden. Denkbar seien witzige Inszenierungen, schließlich standen damals ausschließlich Männer auf der Bühne – hier mit „Schruntenfingern“ und „knisterdürren Lippen“.

Geben die Hexen mit ihrer Prophezeiung, dass Macbeth König werde, den Impuls, König Duncan zu ermorden, so ist Lady Macbeth die ausführende Kraft, denn ihr Gatte ist zwar nicht frei von Ehrgeiz, aber „frei von Bosheit“. Ein Ansatz, der auf die amoralische Staatsphilosophie Niccolò Machiavellis verweise.

Das Paar wolle das Schicksal überlisten, wenn es zudem Banquo (laut Weissagung „Ahnvater von Königen“) töten lasse, als „Getriebene der eigenen Handlung“. Am Ende folgt auch Macbeth nur noch der Logik von Gewalt: „Wie so oft bleibt der Nachgeschmack, dass sich vielleicht all das wiederholen wird . . .“

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