Di., 23.08.2016

„Homosexualität_en“-Ausstellung zeigt Gedenktafel „Rosa Winkel“ Schicksal nicht aufgearbeitet

Die Gedenktafel „Rosa Winkel“ erinnert an die homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus.

Die Gedenktafel „Rosa Winkel“ erinnert an die homosexuellen Opfer des Nationalsozialismus. Foto: LWL

Münster - 

Eine systematische Aufarbeitung der nationalsozialistischen Verfolgung homosexueller Menschen hat es nie gegeben. Die Gedenktafel „Rosa Winkel“ erinnert an die homosexuellen Opfer im KZ Dachau.

Das Leben und die Liebe abseits der heterosexuellen Norm stehen im Mittelpunkt der Sonderausstellung „Homosexualität_en“ im Landesmuseum. Noch bis zum 4. September erfahren Besucher anhand von rund 800 Exponaten Wissenswertes über Geschichte und Kultur, Ausgrenzung, Verfolgung und Errungenschaften der queeren Gemeinschaft. In einer Serie stellt der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) einzelne Ausstellungsstücke vor – heute die Gedenktafel „Rosa Winkel“ für homosexuelle Opfer im Nationalsozialismus.

Zwischen 10 000 und 15 000 homosexuelle Männer wurden im Nationalsozialismus in Konzentrationslagern inhaftiert, die meisten von ihnen starben. Als klischeehaftes Erkennungszeichen diente der „Rosa Winkel“, ein auf die Häftlingskleidung genähtes dreieckiges Stück Stoff.

In der Hierarchie der Lager stand diese Gefangenengruppe ganz unten: Nicht nur die Lageraufseher behandelten sie besonders grausam und ließen sie noch härter arbeiten als die übrigen Inhaftierten. Häufig quälten und demütigten auch Mitgefangene die homosexuellen Häftlinge. „Nicht selten benutzten NS-Ärzte sie außerdem als Versuchsobjekte für ihre medizinischen Experimente“, erklärt LWL-Museumsdirektor Dr. Hermann Arnhold . Im KZ Buchenwald etwa implantierte der dänische SS-Arzt Carl Vaernet Homosexuellen zu ihrer „Heilung“ künstliche Hormondrüsen in die Leistengegend. Andere Träger des Rosa Winkels zwang man, in eine Kastration einzuwilligen.

Eine systematische strafrechtliche Verfolgung lesbischer Frauen fand indes nicht statt: „Weibliche Homosexualität wurde von den Nationalsozialisten nicht ernst genommen und daher nicht als Gefahr gesehen“, sagt Arnhold in einer Pressemitteilung.

Der Paragraf 175, auf den sich die Verfolgung gründete, bestand auch nach Kriegsende. Die überlebenden Opfer der Nationalsozialisten erhielten daher nicht nur keine Entschädigung für ihr Leid; sie mussten sogar fürchten, für ihre Homosexualität erneut ins Gefängnis zu kommen. Arnhold: „Es gibt Fälle, in denen homosexuelle KZ-Häftlinge nach ihrer Befreiung direkt im normalen Vollzug inhaftiert wurden, um dort ihre Reststrafe zu verbüßen.“ Eine systematische Aufarbeitung der nationalsozialistischen Verfolgung homosexueller Menschen hat es nie gegeben.

Die Gedenktafel „Rosa Winkel“ erinnert an die homosexuellen Opfer im KZ Dachau . 1985 hergestellt, hatte das „Comité International de Dachau“ (Zusammenschluss ehemaliger Häftlinge) eine Aufstellung im Gedenkraum der KZ-Gedenkstätte verweigert. Erst 1995 konnte die Tafel in dem Raum installiert werden.

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