So., 30.10.2016

„Uraufführung: „Imagine This“ vom Freien Musical Ensemble Münster Zarte Liebe in schrecklichen Zeiten

Die Theatergruppe im Warschauer Ghetto wird von der SS ins Zugdepot getrieben.

Die Theatergruppe im Warschauer Ghetto wird von der SS ins Zugdepot getrieben. Foto: heh

Münster - 

Kann man die grauenhaften Ereignisse im Warschauer Ghetto in einem Musical thematisieren? Diese Frage stellte sich das Freie Musical-Ensemble Münster – und wagte sich an das mutige Projekt, das dunkelste Thema der deutschen Geschichte mit Gesang und Tanz auf die Bühne zu bringen.

Von Heike Eickhoff

Ensembleleiter Ingo Budweg beantwortete im Programmheft zur Uraufführung von „Imagine This“ die Eingangsfrage mit einem klaren „Ja, man kann.“ Diese erstklassige Inszenierung, am Freitagabend im Konzertsaal der Waldorfschule frenetisch vom Publikum gefeiert, katapultiert das Freie Musical-Ensemble Münster mit seinen musikalischen Leiter und Regisseur Budweg, der auch alle Texte des Musicals übersetzte, in qualitativ neue Höhen.

Die Akteure zeigen bis ins Detail beeindruckende Leistungen. Licht, Kostüme und Sound unterstützen das Bühnengeschehen in jeder Sekunde optimal und treiben es voran. Das Orchester (alle Musiker sind Amateure) punktet mit exakten Einsätzen, Soli voller Herzblut und warmem Gesamtklang.

Die Geschichte von „Imagine This“ handelt von Daniel Warshowsky (grandios: Christoph Bürgstein), der zufrieden und umgeben von seiner Familie ein kleines jüdisches Theater in Warschau leitet. Nach dem Einmarsch der Nationalsozialisten werden die Warschauer Juden ins Ghetto verfrachtet. Das Leben wird ein Kampf, und die bevorstehende Ermordung in einem der deutschen Vernichtungslager auf polnischem Boden ist sicher.

Tochter Rebecca War-showsky ( Sarah Hartmann ) verliebt sich in all diesen Wirren in den Widerstandskämpfer Adam (Sönke Westrup), was dem Musical ein bisschen Romantik verleiht, wenn auch mit bitterem Beigeschmack. Lea Warshowsky (Alina Remmers) wiederum steht stellvertretend für alle ermordeten jüdischen Kinder – ein sympathisches Mädchen, das noch an ein Wiedersehen mit der bereits getöteten Mutter glaubt.

SS-Hauptsturmbandführer Blick (Melvin Schulz-Menningmann) pöbelt herum, schlägt zu und lässt töten – die Juden stehen wehrlos vor den Waffen der SS und lassen Beschimpfungen und Schläge über sich ergehen. Die Geschichte hat gelehrt, dass in diesem Ghetto am Ende ein verzweifelter Widerstand ausbricht, der blutig niedergeschlagen wird. Und so endet auch das Musical mit der Erschießung von Warschowskys Theatertruppe, die man überlaut im Konzertsaal hört. Ein ergreifender Abend, der sehenswert ist, auch wenn die Musik angesichts der Geschichte fast belanglos klingt.

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