So., 08.01.2017

Faszinierendes Orgelkonzert im Dom Jubelklänge zu Christi Geburt

Thomas Schmitz setzte den orchestralen Duktus bei Widor ebenso um wie die feine Kontrapunktik.

Thomas Schmitz setzte den orchestralen Duktus bei Widor ebenso um wie die feine Kontrapunktik. Foto: cws

Münster - 

Irgendwie schemenhaft und in kleinste Bausteine zerlegt schleicht das gregorianische „Puer natus est“ schon durch die ersten beiden Sätze der „Symphonie Gothique“, des vorletzten Meisterwerks von Charles-Marie Widor für die Orgel. Doch in seiner Urgestalt offenbart es sich erst später, wie beim Orgelabend im Dom mit Thomas Schmitz am Samstag wieder zu erleben war. Machtvoll dann vollends im brausenden Tutti und vom kraftvoll registrierten Pedal intoniert: Christus ist geboren! Widor zeigt sich mit dieser Sinfonie auf dem Gipfel seiner Schaffenskraft – und Schmitz kostet den orchestralen Duktus dieser Musik ebenso aus wie deren filigrane Kontrapunktik. Nicht zuletzt auch den poesievollen, geradezu ätherischen Reiz, den die fülligen Flöten im Andante-Satz verströmen. Das klingt im Dom ganz fantastisch.

Von Chr. Schulte im Walde

Johann Sebastian Bach kann da schon problematischer sein. Es sei denn, man macht es wie Thomas Schmitz beim C-Dur-Präludium im 12/8-Takt: Man legt es klanglich auf ein sattes Fundament. Und gibt bei der anschließenden Fuge zeichnende Trompeten hinzu. Das funktioniert!

Trompeten gehören indes nicht unmittelbar an die Krippe, eher schon Flöten und Schalmeien. Genau die braucht der Spätromantiker Sigfrid Karg-Elert in seiner Transkription der „Sinfonia“, die Bach der zweiten Kantate seines „Weihnachtsoratoriums“ voranstellt. Eine hübsche, stimmungsvolle Bearbeitung mit allen Klangfarben, die man sich für eine Hirtenmusik vorstellt. Die nutzt auch Dominique Sauer in seiner „Stille Nacht“-Fantasie raffiniert und würzt überdies noch mit süffigen Harmonien, die ihre Wirkung nicht verfehlen und durchaus den Nerv weihnachtlicher Sentimentalität (im besten Sinn) anrühren. Schön, was Thomas Schmitz’ Amtskollege am Dom zu Osnabrück sich da als Komponist hat einfallen lassen.

Zum Schluss dann Händel – natürlich „Der Messias“. Aber nicht das „Halleluja“, sondern „Denn es ist uns ein Kind geboren“. Ein echter Schlager, den der Engländer Henry Smart für die Orgel eingerichtet hat. Noch einmal Gelegenheit, aus dem Vollen zu schöpfen und die Domorgel fröhlich jubilieren zu lassen. Das Publikum war hingerissen!

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