Do., 20.04.2017

Theater zeigt „La Révolution #1 – Wir schaffen das schon“ von Joël Pommerat Bühne wird Plenarsaal

Peter Scior hat die Bühne zu einem Plenarsaal gemacht, der über einen Steg bis in den Zuschauerraum des Großen Hauses reichen wird. Darin wird es zu hitzigen Debatten kommen.

Peter Scior hat die Bühne zu einem Plenarsaal gemacht, der über einen Steg bis in den Zuschauerraum des Großen Hauses reichen wird. Darin wird es zu hitzigen Debatten kommen. Foto: Oliver Berg

Münster - 

Schauspieldirektor Frank Behnke hängt die Inszenierung hoch: „Das ist eines der ehrgeizigsten Projekte, seitdem wir in Münster sind.“ „Es ist ein Text, der alle Grenzen sprengt.“ „Das ganze Haus steht Kopf.“ Und es ist das Große Haus des Theaters, in dem Stefan Otteni „La Révolution: Wir schaffen das schon“ von Joël Pommerat inszeniert.

Von Gerhard H. Kock

Es spielt im Jahr 1788 und in Frankreich, aber im Grunde an der Grenze einer Katastrophe, eines Staatsversagens, eines rebellischen Aufbegehrens der Bürger gegen die Obrigkeit. Finanzkrise, gescheiterte Reformpläne, im Volk gärt es – Joël Pommerat holt den Stoff der französischen Revolution ans Licht des Tages. Dramaturgin Barbara Bily: „Es wird keine historischen Figuren geben, also keinen Danton oder Robes­pierre.“ Es gibt den König Ludwig. Aber auch keine historischen Ereignisse wie die Sturm auf die Bastille. Texte aus dem 18. Jahrhundert liegen den Dialogen zugrunde. Bily: „Das Stück spielt in der Gegenwart.“

Es gibt Handys, moderne Kostüme, einen König im Anzug. Ein Steg führt mitten in das Parkett, gleichsam ins Herz des Publikum. Die Bühne ist angelehnt an einen Plenarsaal, nicht so modern wie der Bundestag, aber eben wie eine Volksvertretung. Bily: „Die Leute sollen fühlen, sie nehmen an den Diskussionen teil.“ Vom über vierstündigen Originaltext wird es eine auf 3,5 Stunden gekürzte Fassung geben.

In Frankreich ist das Stück „ein nationales Ereignis“, berichtet Behnke. Der Autor Joël Pommerat (zweifacher Molière-Preisträger) gilt seit Jahren als der wichtigste und international erfolgreichste lebende Dramatiker Frankreichs. Erst seit Kurzem beginnen sich seine Stücke in Deutschland durchzusetzen. „La Révolution“ wurde in Dortmund und Bamberg in einem Studiobühnen-Format gezeigt. Behnke: „ Münster ist das erste Theater, das den Text einem großen Publikum präsentiert.“ Es entwickle eine „ungeheure Brisanz“ und sei „der Kern, was wir hier in Münster machen wollen: gesellschaftspolitisch relevantes Theater“. Ihn erinnert „La Révolution“ an Schillers „Theater als moralische Anstalt“, als Laboratorium für Politik.

Vor dem Hintergrund von islamistischem Terror und zunehmendem Rechtspopulismus in ganz Europa soll es ein gewichtiges Statement und ein theatrales Ereignis sein, das zeigen soll, wie schwer es war, Freiheit zu gewinnen. In die hitzigen Debatten und Rangeleien werden sich ein Dutzend Schauspieler werfen plus einige Statisten.

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Die Premiere ist am Samstag (22. April) um 19 Uhr. Restkarten: ' 5 90 91 00.

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