So., 14.05.2017

Abstrakt: Rodolpho Leonis Tanzabend bietet Beziehungen Spieler und Marionetten

Beziehungen zwischen Individuen werden in dieser Choreografie greifbar.

Beziehungen zwischen Individuen werden in dieser Choreografie greifbar. Foto: Ursula Kaufmann

Münster - 

Ein Tänzer steht mit weichen, schlängelnden Bewegungen auf der Bühne, dreht sich um die eigene Achse, fällt, erhebt sich wieder. Als eine Frau erscheint, gehen die beiden eine nahezu unsichtbare Verbindung ein. Wie Spieler und Marionette stehen die Performer nebeneinander im Rampenlicht: Eine Geste mit der Hand und die Schulter der Frau zieht sich hoch, eine Armbewegung und ihr Oberkörper biegt sich zur Seite. Da tritt ein neuer Tänzer auf, der Zauber ist vorbei.

Von Isabell Steinböck

Choreograf Rodolpho Leoni, künstlerischer Leiter des Folkwang Tanzstudios in Essen, möchte Beziehungen zwischen Individuen kreieren und diverse Stimmungen inszenieren, wenn er im Pumpenhaus zur enervierend gleichen Klangkulisse (Musik: Taylor Deupree) immer neue Paare und Ensembles auftreten lässt. Der Titel „Would You Like an Invitation to My Destination“ verweist auf die zwischenmenschliche Distanz, die alle Performer ästhetisch miteinander vereint.

Das zehnköpfige Ensemble wirkt versiert, ihren weichen, dynamischen Bewegungen sieht man gerne zu, wäre da nicht diese Gleichförmigkeit. Gelingt es Leoni zunächst noch, faszinierende Verbindungen zwischen den Solisten herzustellen, lassen sich hier und da noch gelungene Akzente erkennen, verschwimmt die einstündige Choreografie zusehends zu einem Einheitsbrei. Seelenlos wie Maschinen agieren die Tänzer nebeneinander, die monotone Grundstimmung lullt das Publikum ein. Dramaturgisch lässt sich das abstrakte Stück erst gegen Ende wieder mit Inhalt füllen, wenn die Tänzerinnen und Tänzer erstarren, ausgestreckte Arme ein Gegenüber suchen und in die Ferne drängen. Individuen, die einander suchen und doch nicht finden, versammeln sich als Gruppe auf dem Boden, bevor sich der choreografische Kreis schließt und die Tänzerin des Anfangs erneut alleine auf der Bühne steht. Zumindest hier lässt sich eine Struktur ausmachen in diesem minimalistisch angelegten Stück, das aus Raum, Tänzern und Aktionen keine Geschichten auf die Bühne bringt und zumindest die Kritikerin ratlos hinterlässt. Dem Publikum im nahezu ausverkauften Haus scheint es dennoch gefallen zu haben: Herzlicher Applaus.

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