Mo., 15.05.2017

„Wir heißen Kirche“ zeigt komplexe Show im Pumpenhaus Playmobil heckt etwas aus

Ein „elektroakustisch-tänzerisches Lichtspiel“  zelebrierten „Wir heißen Kirche“ im Pumpenhaus.

Ein „elektroakustisch-tänzerisches Lichtspiel“  zelebrierten „Wir heißen Kirche“ im Pumpenhaus. Foto: Helmut Jasny

Münster - 

Staring up the ceiling“, singt die Band hinterm Gazevorhang. Und an die Decke starrt auch das Plastilin-Männchen, das von vorne auf den Stoff projiziert wird – ein träger Golem, der einfach nicht in die Gänge kommt, bis ihm am Ende des Songs wirklich die Decke auf den Kopf fällt.

Von Helmut Jasny

„Staring up the ceiling“, singt die Band hinterm Gazevorhang. Und an die Decke starrt auch das Plastilin-Männchen, das von vorne auf den Stoff projiziert wird – ein träger Golem, der einfach nicht in die Gänge kommt, bis ihm am Ende des Songs wirklich die Decke auf den Kopf fällt. Das Video stammt von Jens Piske. Zusammen mit Michael Schlitt (Gitarre), Volker Piske (Bass) und Michael Hütten (Elek­tronik) gehört er zur Mülheimer Performance-Gruppe „Wir heißen Kirche“, die am Sonntag mit „ER + SIE“ im Pumpenhaus gastierte.

Als „elektroakustisch-tänzerisches Lichtspiel“ ist das Stück annonciert, denn zur Truppe gehören auch noch Photini Meletiadis, Freddy Houndekindo und Alice Tom, die das Geschehen mit Tanz begleiten. Und der gestaltet sich nicht nur vielfältig, sondern zuweilen auch höchst dynamisch. So wirbeln die drei zu einer Geräuschkulisse aus elektronischem Knarren und Rülpsen wie Derwische über die Bühne, vereinen sich zu einem amorphen Körperklumpen und lösen sich dann wieder voneinander, um in fragilem Gleichgewicht die Gesetze der Schwerkraft auszuloten.

Die Musik ist eine Reise durch die letzten Jahrzehnte. Rock, Elektro-Beats und Trip-Hop kommen ebenso vor wie Punk und psychedelische Klänge. Die Texte sind mitunter bestechend einfach und unmittelbar: „Mir tut das Herz so weh / weil ich sie nicht wiederseh‘“, heißt es an einer Stelle. „Schön war’s im letzten Jahr, / jetzt ist sie nicht mehr da“, an einer anderen. Dazu gibt es Videos, die Fresken mit Fabelwesen in Nahaufnahme zeigen oder Leute, die in Stummfilm-Manier durch Berge stiefeln. Auch eine Gruppe von Playmobil-Figuren, die irgendwas aushecken, ist zu sehen.

Musik, Video und Tanz wirken hier auf ebenso stimmige wie fantasievolle Weise zusammen. Zu harten, dreckigen Tönen flippt eine der Tänzerinnen aus, während ihre Kollegen sie angewidert betrachten wie etwas, das jemand auf die Straße geschmissen hat. Anschließend wird sie in einem wilden Gerangel von der Bühne bugsiert. Es gibt aber auch zarte Szenen. In einem Pas de deux umschlingen sich Mann und Frau, um einander sofort wieder zu entschlüpfen. Sehr eindrucksvoll wirkt auch die Tänzerin, die mit Gummibändern an Armen und Beinen wie ein Insekt in einem Spinnennetz zappelt.

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