Mo., 29.05.2017

Tilman Rademachers „Letzte Runde“ im Bühnenboden Mit Alkohol und Aspirin

Tilmann Rademacher las zu Deutschlands Droge Nummer eins: Alkohol.

Tilmann Rademacher las zu Deutschlands Droge Nummer eins: Alkohol. Foto: Heike Eickhoff

Münster - 

Die Hand zittert, als Tilman Rademacher die Aspirin-Brausetablette ins Mineralwasser rührt, schnell die gelbliche Flüssigkeit herunterstürzt und anschließend die Gäste begrüßt. Rademacher lädt zur „Letzten Runde“ in den Kleinen Bühnenboden an der Schiller­straße, ein Tablett mit eiskaltem Korn steht bereit. Für die Zuschauer, sagt der gebürtige Münsteraner. Tatsächlich bedienen sich im Laufe des Abends die Zuschauer gern an den kleinen Gläschen.

Von Heike Eickhoff

Texte verschiedener Autoren hat Rademacher für diese Lesung rund um den Alkohol ausgewählt und übergießt die Zuschauer förmlich mit humorigen und makabren Details. Dichter Charles Baudelaire empfahl: „Man muss immer trunken sein. Das ist alles: die einzige Lösung.“ Doch ob mit „Wein, mit Poesie oder mit Tugend“ ließ Baudelaire dahingestellt – Tilman Rademachers leicht raue Stimme und der tastende Griff zum Aspirin lassen auf Alkohol als Droge der Wahl schließen. Liedermacher Götz Widmann jammerte: „Nie wieder fand ich die Ekstase meiner Berentzen-Appel-Phase“ – Tilman Rademacher verlieh dem flotten Text Widmanns seine Stimme und brachte das Publikum wieder einmal zum Lachen.

Der Alkoholrausch als „gewaltige Keilereien unter Neurotransmittern“ bereitete, pseudoneurologisch und sprachverliebt, viel Vergnügen. Detailgetreue Schilderungen, wie die „C2H5OH-Moleküle“, also alkoholische Verbindungen, im Hirn herumbolzen sowie nach und nach sämtliche Funktionen bis zur „inneren Havarie“ ruinieren, las Rademacher süffisant lächelnd, begleitet vom vielen, vielen Lachern der Zuschauer.

Simon Borowiak beschreibt dies in seinem Buch „Alk“, mittlerweile fast ein Klassiker zum Thema. Auch die Trinkertypen, wie weiland Adorno die Hörertypen beschrieb, hat Borowiak sich vorgenommen: Der „Hobbytrinker“ hört auf, bevor er zu betrunken ist, der „Amateur“ traut sich noch nicht allein, der „Profi“ (so nennt Borowiak den Säufer) „trinkt zu unorthodoxen Zeiten und kann einen Stiefel wegstecken“.

Eine unterhaltende Auswahl an Texten, intensiv gelesen, mit herzallerliebstem Gezitter um die Aspirin-Packung gelesen und serviert. Schauspieler Tilman Rademacher wurde am Ende mit viel Beifall belohnt.

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