Choreografien von Yang Zhen im Pumpenhaus
Zwischen Provinz und Metropole

Münster -

Schwarz auf rot heben sich die Figuren von der Bühnenwand ab. Im Zentrum Chinas Ex-Präsident Mao Zedong, darum herum Figuren in Trachtenkleidung mit Pelzkappen und spitzen Hüten. Nach einer Weile ändert sich die Stimmung: Die Kleider sind nicht mehr rot, sondern grellbunt, und anstelle von einfachen, sich wiederholenden Klängen tönt eine E-Gitarre aus den Lautsprechern. Drei Tänzerinnen, die bis dato im Zuschauerraum saßen, stehen auf, lassen ihre langen Haare fliegen – willkommen in der Realität.

Freitag, 02.06.2017, 17:06 Uhr

Tradition vermischt sich mit Show auf der Bühne im Pumpenhaus.
Tradition vermischt sich mit Show auf der Bühne im Pumpenhaus. Foto: Volker Derlath

Der junge chinesische Choreograph Yang Zhen lässt Tradition auf Moderne prallen, wenn er seine vier Performerinnen mal in folkloristisch anmutenden Kleidern, mal im Sportdress über die Bühne des Pumpenhauses tanzen lässt.

Es geht um „Minorities“, ethnische Minderheiten in China, von denen tatsächlich 55 Nationalitäten anerkannt sind. „Was ist die Minderheit, was die Mehrheit?“, fragt eine der Tänzerinnen, nachdem sie auf einen Kinderstuhl gestiegen ist, um sich mittels eines viel zu hoch eingestellten Mikrofons eine Stimme zu verschaffen.

Die junge Frau stammt aus Macao, einer sogenannten Sonderverwaltungszone Chinas. Gemeinsam mit einer Tibeterin und einer Mongolin scheint die Künstlerin um Völkerverständigung bemüht, wenn sie auf Englisch das Publikum anspricht: „Ich bin aus Macao und du aus Europa. Aus der Welt“. Später wird man von einer anderen Künstlerin erfahren, dass sie mit neun Jahren aus einem Dorf Tibets in eine von Chinas Metropolen gezogen ist, um ihren Traum vom Tanzen zu verwirklichen. Ob dies ein Akt der Befreiung war oder sie sich ins Korsett der Han-Kultur pressen musste, bleibt unklar.

Künstlerisch bewegt sich das vierköpfige Ensemble mit Volkstänzen auf traditionellem Niveau, zeitgenössische Bewegungen und moderner Ausdruck bleiben weitgehend aus. Stattdessen zeigt der Choreograf Dokumentationen.

Menschenmassen sprechen im Chor, kleine Kinder lernen Volkstanz. Auf der Bühne vermischt sich Tradition mit Show, fernab von inhaltlicher Tiefe. Kritik am vereinheitlichenden System scheint nur in einer Szene durch, wenn eine der Performerinnen mit nacktem, versehrtem Oberkörper über die Bühne rennt, während die andern sie einzufangen versuchen. Das ist auch alles.

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