Mo., 19.06.2017

Gemälde von Gerhard Meyerratken in der Frauenstraße 24 restauriert Die Heimkehr der „Hausbesetzer“

Freude über die Rückkehr des Bildes von Gerhard Meyerratken in die Kulturkneipe „Frauenstraße 24“: Norbert Hacker (früherer Vorsitzender des Vereins Frauenstraße 24), Jürgen Brakowsky, Sabine Hetzel-Meyerratken und Ralf Kampmann-Wisker.

Freude über die Rückkehr des Bildes von Gerhard Meyerratken in die Kulturkneipe „Frauenstraße 24“: Norbert Hacker (früherer Vorsitzender des Vereins Frauenstraße 24), Jürgen Brakowsky, Sabine Hetzel-Meyerratken und Ralf Kampmann-Wisker. Foto: Noppeney

Münster - 

Im März 2011 wurde das Bild abgehängt. Es landete, sorgsam aufgerollt, in der städtischen Kunsthalle im Speicher am Hafen. 2016 musste es seinen Platz dort räumen. Danach verbrachte es ein paar Monate in der Privatwohnung von Jürgen Brakowsky. Bis ein Restaurator gefunden war, der es reinigte und überarbeitete.

Von Petra Noppeney

Im März 2011 wurde das Bild abgehängt. Es landete, sorgsam aufgerollt, in der städtischen Kunsthalle im Speicher am Hafen. 2016 musste es seinen Platz dort räumen. Danach verbrachte es ein paar Monate in der Privatwohnung von Jürgen Brakowsky. Bis ein Restaurator gefunden war, der es reinigte und überarbeitete. Nun hängt das „Hausbesetzer-Gemälde“ des münsterischen Malers Gerhard Meyerratken wieder an dem Ort, mit dem es ein Stück Zeitgeschichte verbindet: in der Kulturkneipe „Frauenstraße 24“.

Dass das Bild endlich wieder „an seinem Ursprungsort“ zurück ist, freut insbesondere Sabine Hetzel-Meyerratken, die Witwe des 2005 verstorbenen Künstlers. „Ich freue mich, dass das Bild nicht in Vergessenheit gerät“, sagt die Münsteranerin, die den Nachlass ihres Mannes verwaltet. Und dafür gesorgt hat, dass es posthum Ausstellungen zum Schaffen ihres Mannes im hiesigen Stadtmuseum und im Franz-Hitze-Haus gegeben hat.

Zurzeit bereitet sie für den Herbst eine Ausstellung in der Villa Adlon in Potsdam mit Werken ihres Mannes vor. Das Bild jedoch, das von Gerhard Meyerratkens Tagen als Mitglied der münsterischen Hausbesetzer-Szene kündet, wird in Münster bleiben. So wie es der Maler wollte, der es dem Verein „Kulturkneipe Frauenstraße 24“ als Dauerleihgabe überantwortete.

Dieser wiederum hat sich verpflichtet, die Tradition zu wahren und dem Bild seinen Platz in dem Haus zu sichern, das einst im Zentrum des münsterischen Häuserkampfes stand. Gerhard Meyerratken war damals Mieter des 1905 gebauten Hauses mit der blauen Front. Anfang der 70er Jahre zog er dort ein, schildert Sabine Hetzel-Meyerratken. In der zweiten Etage wohnte er, in der dritten hatte er sein Atelier. Bis 1986. In dieser Zeit erlebte Meyerratken mit, wie das Haus seine Besitzer wechselte, zum Spekulationsobjekt für wechselnde Immobilienmakler wurde – und schließlich mit der illegalen Besetzung gar zum Politikum.

In 20 Minuten, so erzählt Sabine Hetzel-Meyerratken, habe Gerhard Meyerratken damals das zeitgeschichtlich bedeutsame Bild gemalt, das den Charakter einer Ölskizze hat. Vorne versammelte er Hausbesetzer und Sympathisanten, dahinter thront in der Mitte das damals umkämpfte Haus Frauenstraße 24. Links davon malte er, perspektivisch recht frei, die Stadtsilhouette Münsters, während rechts charakterlose Kästen in den Himmel schießen. „Er wollte damit wohl sagen: Die Frauenstraße 24 soll weg, damit solche Klötze entstehen können“, sagt Sabine Hetzel-Meyerratken.

Der Umstand, dass Gerhard Meyerratken das Bild spontan malte, stellte in den vergangenen Wochen allerdings den Restaurator aus Münster, Ralf Kampmann-Wisker, vor große Herausforderungen: „Die Malschicht war gelockert, weil die Stoffbahn nicht gut vorbereitet war“, schildert der Experte. Einen Riss galt es zudem zu flicken. Außerdem setzte jahrzehntelanger Zigarettenkonsum in der Kneipe dem Bild zu, weshalb es gereinigt werden musste. Auch die Lagerung zuletzt habe dem Werk zugesetzt.

Kampmann-Wisker hat das Bild flächig ausgelegt und „mit Kleber geflutet“, wie er sagt. Überstände wurden entfernt. Zudem wurde die Malschicht mit dem Tragegewebe verbunden und neu angebügelt. „Dadurch entsteht eine neue, weitgehend homogene Schicht“, erklärt der Restaurator.

In der „Frauenstraße 24“ wurde das Bild nun auf Holz gespannt und zurück an die angestammte Wand gehängt. Finanziert hat all dies der Verein „Kulturkneipe Frauenstraße 24“ gemeinsam mit der GmbH, die aktuell Träger der Gaststätte ist. Wobei der Verein, so schildert dessen Vorsitzender Jürgen Brakowsky, den größten Batzen übernommen hat. „Das haben wir jetzt erst mal geschafft“, freut sich Brakowsky. Die Rückkehr des Bildes von Gerhard Meyerratken an seinen Ursprungsort (Brakowsky: „Das steht extra in unserer Satzung, dass es hierbleibt“) soll laut Ankündigung des Vorsitzenden im September auch vereinsintern gefeiert werden.

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