So., 25.06.2017

„Watch and wonder“ im Kleinen Haus Erfrischend respektlos

Zuschauen und kommentieren: Diese jungen Darstellerinnen schauen sich einen Boxkampf an. Doch irgendwie scheinen sie das eigentliche Sportereignis aus dem Blick zu verlieren.

Zuschauen und kommentieren: Diese jungen Darstellerinnen schauen sich einen Boxkampf an. Doch irgendwie scheinen sie das eigentliche Sportereignis aus dem Blick zu verlieren. Foto: Helmut Jasny

Münster - 

Kann man das Theater gegen den Sport ausspielen? Noch dazu auf einer Theaterbühne, wo es gewissermaßen ein Heimspiel hat. Die Teilnehmer des Spielzeitkurses von Angelika Schlaghecken hatten damit jedenfalls kein Problem. Am Freitag präsentierten sie bei den „Dran & Drauf“-Tagen im Kleinen Haus ihr Stück „Watch and wonder“ Das Publikum bekam eine erfrischend respektlose Aufführung zu sehen, bei der die 12- bis 15-jährigen Darsteller nicht nur gehörige Spielfreude, sondern auch eine gute Portion Humor an den Tag legten.

Von Helmut Jasny

Im Rahmen einer TV-Sendung mit manchmal etwas desorientiert wirkenden Moderatoren werden die beiden auf den ersten Blick so unterschiedlichen Kulturformen analysiert. Das beginnt mit dem Verhalten des Publikums. Zu Shakespeares „Romeo und Julia“ versammelt sich eine Riege hingebungsvoller Damen im Parkett. Ein inszenatorischer Kunstgriff, bei dem eine der Darstellerinnen die Gedanken der anderen einspricht, offenbart, dass das Interesse weniger dem Drama als dem männlichen Hauptdarsteller gilt.

Recht viel besser sieht es beim Sport aber auch nicht aus. Während eines Boxkampfes feuern die Zuschauer ihren Favoriten an und geraten sich dann über die Frage in die Haare, ob der Boxer süß ist oder pummelig. Am Ende liefern sie sich untereinander einen Kampf und verlieren dabei das Geschehen im Ring aus den Augen. Nicht weniger amüsant gestaltet sich ein Blick hinter die Kulissen einer Ballett-Aufführung. Immer wieder kommen die Tänzerinnen in die Garderobe geschneit, um sich umzukleiden und neue Requisiten zu holen. Das Geschnatter und das Chaos, das sie dabei veranstalten, steht in krassem Gegensatz zur Disziplin auf der Bühne. Man merkt den Darstellerinnen an, dass sie bei den Proben eine Menge Spaß gehabt haben. Und der überträgt sich dann auch schnell auf das Publikum.

In weiteren Szenen geht es um Sportler und ihre Maskottchen und um Emotionen, die Wettkämpfe auslösen. Schnöselige Golfer schnäuzen sich in 50-Euro-Scheine, und Fußballer sagen Reportern denkwürdige Sätze wie „Vom Feeling her hatte ich ein gutes Gefühl“ ins Mikrofon. Eine gelungene Aufführung, die trotz des collageartigen Ansatzes erstaunlich rund wirkte.

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