Theaterpremiere im Schlossgarten: „Die Ausgrabung“
Der Club des toten Dichters

Münster -

„Absolute Stille“ bittet sich der Mann mit dem Bauarbeiterhelm von der Besuchergruppe hinter dem Schloss aus, als geleite er sie zum Allerheiligsten. Lächelnd zeigt er auf eine am Wegesrand hüpfende Amsel und ermuntert: „Genießen Sie die Ruhe.“ Musik von einem zufällig in der Nähe probenden Chor überlagert das Grundrauschen des Straßenverkehrs und die Schrittgeräusche auf dem feinen Kies.

Mittwoch, 05.07.2017, 17:07 Uhr

Schwieriges Terrain: Die beiden Archäologen  (Carsten Bender, l., und Stefan Naszay) untersuchen die Relikte von Henry David Thoreaus Hütte und scheinen immer mehr von dessen Geist beseelt.
Schwieriges Terrain: Die beiden Archäologen  (Carsten Bender, l., und Stefan Naszay) untersuchen die Relikte von Henry David Thoreaus Hütte und scheinen immer mehr von dessen Geist beseelt. Foto: wam

Versteckt hinter einem dichten Brennnesselwald liegt die „Ausgrabungsstätte“, an die „Archäologe“ Stefan Naszay führt. Es seien dies die Relikte der berühmten Blockhütte Henry David Thoreaus , erklärt er, des amerikanischen Schriftstellers, Philosophen und Mannes vielerlei praktischer Talente und Berufe.

Am 4. Juli 1845, dem Nationalfeiertag, an dem die Amerikaner ihre Unabhängigkeit feiern, zog Thoreau sich in die Wildnis zurück, um die Ideen seines Mentors Ralph Waldo Emerson in einem zweijährigen Experiment vom Kopf auf die Füße zu stellen: Leben im Einklang mit der Natur.

Auf einem von Wilm Weppelmann dem originalen Grundriss getreu abgesteckten Feld füllen Naszay und Carsten Bender als Kollege die fiktive Ruine mit dem Leben ihres früheren Bewohners.

Geschickt führt Regisseur Manfred Kerklau seine „Archäologen“ auf einen Pfad der Distanzlosigkeit. Erst Sprachrohr für die Texte Thoreaus, dann Zitate rezitierend aus dessen Werk „Walden“ und seinen Tagebüchern, scheinen sie immer mehr von dessen Geist beseelt, der „das Mark des Lebens“ in sich aufsaugen will.

Naszay fläzt sich genüsslich auf einer Schubkarre und stellt sich vor, monatelang einfach nur bis zu Hals im Schlamm zu stecken und mit den Fröschen zu quaken. „Da muss noch was sein!“, argwöhnt Bender.

Und so graben sie neben Thoreaus Naturbeobachtungen (oft feierlich, aber immer höchst originell) und dem Loblied auf das einfache Leben auch dessen politische Philosophie des zivilen Ungehorsams aus: Thoreau verwehrte der damaligen Sklavenhaltergesellschaft seine Steuern.

Mahatma Gandhi und zahlreiche alternative Bewegungen gehören zum Club dieses toten Dichters. Streng in seiner Moral, geißelte er die Angst der Menschen vor der Freiheit: „Wenn ich Atem hole, bleibt ihnen die Luft weg!“ Andererseits war ihm klar: Alleine kann man die Welt nicht retten. Aber man kann beginnen aufzuhören, das Falsche zu tun. Und in die Stille horchen.

Zum Thema

Weitere Aufführungstermine: 4., 5. und 8. Juli jeweils um 20 Uhr, 9. Juli um 6 Uhr, 22. Juli um 20 Uhr, 13., 14. und 15. Juli um 20 Uhr sowie am 16. Juli um 16 Uhr. Startpunkt ist hinter dem Schloss. Karten gibt es im WN-Ticket-Shop am Prinzipalmarkt oder im Internet:  | www.dieausgrabung.de

...
Anzeige
Anzeige
http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4986766?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F92%2F646285%2F
Angespannter Immobilienmarkt macht Familie Beuck zu schaffen
Anna und Henning Beuck möchten ein Eigenheim erwerben, in dem ihre Kinder Johann (2.v.l.) und Benjamin aufwachsen können.
Nachrichten-Ticker