Bodytalk-Darbietung auf dem Bremer Platz
Bleiben oder geh’n? Mal seh’n!

Münster -

Es ist eine bunte Truppe, die sich da im trockengelegten Brunnen des Bremer Platzes versammelt hat. Eine der Frauen hat ihren alten Hippie-Fummel rausgeholt, eine andere macht mit Ketten und Klunkern auf mondän. Ein Tänzer führt seine Kollegin wie einen Hund an der Leine herein. Diese zerrt mit dem Maul einen Kollegen aus einem Müllsack. Dann wirft der Gitarrist seinen Verstärker an, alle tanzen Tango.

Freitag, 14.07.2017, 17:07 Uhr

Eine bunte Truppe bevölkert den Brunnen bei der „Bremer Platz“-Performance.
Eine bunte Truppe bevölkert den Brunnen bei der „Bremer Platz“-Performance.

„Bremer Platz“ heißt die Performance, mit der die Compagnie Bodytalk noch bis Sonntag auf dem gleichnamigen Platz hinterm Bahnhof auftritt. Bis dato ist das Areal noch von sogenannten Randgruppen bevölkert. Aber demnächst soll es im Zuge der Bahnhofsrenovierung umgestaltet werden. Und diese Maßnahme ist Thema des Spiels, bei dem neben professionellen Tänzern und Schauspielern auch Protagonisten des Platzes mitwirken.

Eine von ihnen ist Gabriele. Sie stellt die Frage nach dem Warum, während Christiane dem Publikum die Topografie des Platzes erläutert – hier links die Alkis, drüben Heroin, auf der Treppe die Kokser. Alles hat seine Ordnung, wie es scheint. Was soll aus dieser Ordnung werden? Wo sollen die Menschen hin? Und was wird aus dem Drogenkonsumraum, der ja ganz in der Nähe ist und genau dort gebraucht wird?

Eine Antwort auf diese Fragen wird im Lauf der rund einstündigen Aufführung nicht gefunden. Nicht vom Publikum, das in das Spiel einbezogen wird. Nicht von dem Opernsänger, der sich auf Stelzen als „Junkie-Fischer“ betätigt und seinen Fang in der Psychiatrie abliefert. Nicht von dem Tänzer, der als charismatischer Erlöser die Menschen zum Licht führen will und später den Bierkasten hereinträgt.

Dazwischen gibt es Gesänge und Tanzeinlagen auf Krücken. Und Geschichten von den Bewohnern des Platzes. Die von Petra zum Beispiel, wie sie auf der Suche nach Liebe im Knast landete, mit Haschisch ihre Gefühle und mit Heroin ihre Seele entdeckte. Dann wird Kreide verteilt, und die Zuschauer schreiben auf das Pflaster, was der Platz für sie bedeutet. „Heimat“ ist da zu lesen, „Sicherheit“, Zusammenhalt“, „Akzeptanz“. Und ehe man sich versieht, ist aus der Performance ein Happening geworden. „Das Leben ist schön“ intoniert das Ensemble, auf dem Brunnenrand tanzend. „Bleiben oder geh’n? Mal seh’n, mal seh’n.“

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