„Küchenterz“-Konzert mit intensiver Darbietung von Simone Drescher
Dem Cello so nah wie nie

Münster -

Wer hat als Zuhörer je einem Violoncello bei seinem Spiel quasi „auf dem Schoß“ gehockt? Der Konzertzyklus „Küchenterz“ der Gesellschaft zur Förderung der westfälischen Kulturarbeit machte es am Samstag möglich. Weil das Publikum geradezu auf Tuchfühlung gehen konnte mit der Cellistin Simone Drescher. Ort des konzertanten Geschehens: das Atelier der Werkstatt „Tononi Streichinstrumente“ auf der Wolbecker Straße 19. Yi-Ru Köhler-Chen und Tobias Köhler führen dort das Geschäft, das nun zum Konzert-Saal“ mutierte für 32 Leute. Mehr ging aus Platzgründen nicht – weshalb Simone Drescher ihr höchst eindrucksvolles Programm gleich zwei Mal hintereinander absolvierte.

Montag, 31.07.2017, 06:07 Uhr

Ungewöhnlicher Konzertsaal auch für Simone Drescher: Sie musizierte im Atelier der Werkstatt „Tononi Streichinstrumente“ in Münster.
Ungewöhnlicher Konzertsaal auch für Simone Drescher: Sie musizierte im Atelier der Werkstatt „Tononi Streichinstrumente“ in Münster. Foto: cws

Gleich vorweg: Drescher ist eine ganz fabelhafte, überzeugende, souveräne, technisch brillante und musikalisch ausdrucksstarke Cellistin. Spürbar schon in den ersten Takten der Suite G-Dur von Johann Sebastian Bach – eine Musik, die atmet, der die Interpretin Lebendigkeit verschafft, sie zum Singen und zum Tanzen bringt. Voller Spontaneität, nicht einen Augenblick lang etüdenhaft (wobei Bach sie ja als Etüde gedacht hatte).

Dieser starke Eindruck setzte sich fort in der Suite von Gaspar Cassadó, einem Schüler des großen Pablo Casals. Einen fast sakralen Impetus gab Drescher diesen inspirierten Klängen, bis diese dann ein durchaus spanisch gewürztes Aroma bekamen. Knackige Rhythmen, glutvolles Temperament – viel Gelegenheit für die noch junge, aber bereits häufig auf internationalem Parkett gastierende Cellistin, ihre Finger wieselflink über die Saiten huschen und den Bogen hurtig springen zu lassen.

Nicht genug damit. Denn noch intensiver, noch suggestiver und berührender geriet Drescher „Gramata cellam“ („Das Buch“) – ein cellistisches Meisterstück aus der Feder des 1946 geborenen Letten Peteris Vasks, voller Extreme, changierend zwischen aufgepeitschten Emotionen und fast sprachlos machender Tragik. Anfangs ein echter Kraftakt, am Ende ein ätherischer Gesang, dem die Solistin auch ihre eigene Stimme zart beizumischen hatte. Dass es bei Vasks Musik um Leib und Leben geht, daran ließ Simone Drescher nicht den geringsten Zweifel. Absolut berührend!

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