Fr., 11.08.2017

Der Nachlass des Künstlers Adolph W. Knüppel wird gesichtet Geschichte sichtbar gemacht

Beim Sondieren des Nachlasses von Adolph W. Knüppel (kl. Bild) sichten Hildegard Knüppel und Dr. Hannes Lambacher im Atelier einige Dokumente, die das Stadtarchiv übernehmen möchte, hier die Fotodokumentation der „Goldenen Fuge“ am Rathaus.

Beim Sondieren des Nachlasses von Adolph W. Knüppel (kl. Bild) sichten Hildegard Knüppel und Dr. Hannes Lambacher im Atelier einige Dokumente, die das Stadtarchiv übernehmen möchte, hier die Fotodokumentation der „Goldenen Fuge“ am Rathaus. Foto: Ellen Bultmann

Münster - 

„Vieles wartet darauf, sichtbar gemacht zu werden.“ Das betonte der Künstler und Architekt Adolph W. Knüppel immer wieder. Der Gievenbecker, der am 20. Januar 2017 im Alter von 83 Jahren verstarb, sah sich häufig in der Rolle des Dienenden. Nicht seine Person stellte er in den Vordergrund, sondern die vorgefundenen Materialien, die entdeckten Bezüge, die als Inspiration empfundenen Ideen. Der Anspielungshorizont seiner Werke war nicht selten größer, die Netzwerke aus assoziativen Ebenen weiter verzweigt, als es sich mit Worten ausdrücken lässt. Wer alle Implikationen eines Knüppelschen Objekts oder gar die Zusammenhänge seiner mehrteiligen Projekte verstehen möchte, benötigt daher ein waches Interesse zum Nachforschen und die Geduld, Erkenntnisse reifen zu lassen.

Von Ellen Bultmann

Gute Voraussetzungen für eine Recherche im Stadtarchiv, die bald dank der Vorarbeit von Hildegard Knüppel und der Aufgeschlossenheit von Dr. Hannes Lambacher möglich sein soll. Die Witwe des Künstlers und der Leiter des Stadtarchivs sondieren derzeit gemeinsam, welche Schriftstücke, Fotodokumente, Entwurfszeichnungen und weiteren Unterlagen in das Archiv aufgenommen werden können.

Das Schaffensspektrum ist breit gefächert. Adolph Knüppel war Designer, entwarf beispielsweise Möbel in eigener Gestaltung und Bauweise. Er wurde aufgrund seines Talents zum Architekten ernannt und arbeitete ab 1957 in mehreren Architekturbüros, davon zwölf Jahre bei Professor Harald Deilmann und ab 1985 als selbstständiger Architekt. Knüppel hatte Lehraufträge in der Abteilung Kunsterziehung der Pädagogischen Hochschule Münster und der Abteilung Architektur der Fachhochschule Münster. Hausgärten und Brunnenanlagen gestaltete er ebenso wie Plakate, Buchumschläge und weitere Gebrauchsgrafik.

Die Stadtgeschichte und ihre Sichtbarmachung beschäftigten ihn in seinem bildhauerischen Werk nachhaltig. Zum Stadtjubiläum 1993 brachte er Blattgold-Plättchen an historischen Gebäuden der münsterischen Innenstadt an. Eine solche „Goldene Fuge“ findet sich am historischen Rathaus. Sie trägt die Jahreszahlen 1951 als Erinnerung an die Wiedererrichtung nach dem Zweiten Weltkrieg und an 1335, das ungefähre Jahr, in dem die Bürgerhalle an die zum Prinzipalmarkt zeigende Seite der Ratskammer angebaut wurde. Allein diese Jahresangaben sind geeignet, beim Betrachter Nachdenken und Forschungsdrang auszulösen.

Die „Hanse-Steine“ erinnern seit 1993 an Münsters wirtschaftliche Verknüpfungen: 45 Hansestädte des Mittelalters erhielten einen münsterischen Pflasterstein, gefasst in sich öffnendem Edelstahl. Im Gegenzug wurden in Münster Steine aus den Hansestädten ins Pflaster eingefügt.

Vorausschauende Planung und nachhaltige Kontaktpflege waren für eines seiner aufwendigsten Projekte erforderlich. Anlässlich des 350. Jahrestags des Westfälischen Friedens gelang es Knüppel, im Februar 1997 „Friedenserde“ ins All fliegen zu lassen, die mit Unterstützung durch Friedensschüler an 240 Orten der Welt – von allen Kontinenten außer der Arktis – gesammelt worden war. 20 Tage verbrachten diese Erdproben auf der Weltraumstation MIR. Dann vermengte Knüppel sie mit Erde aus den Ländern, die Gesandte zu den westfälischen Friedensverhandlungen geschickt hatten. In einer 5,60 Meter hohen Stele wurde die Erde im Februar 1998 im Rathausinnenhof aufgestellt. Seit 2001 steht die Stele auf dem Campus Steinfurt der Fachhochschule Münster.

Mit dem Projekt „Wasser in Münster“ weist Knüppel auf die Häuser auf dem Prinzipalmarkt hin, in denen 1534 Gerhard Kibbenbrock und Bernhard Knipperdollinck wohnten, die Bürgermeister der Wiedertäufer. Vor dem Haus Nummer 34 ist ein Metall-Zylinder in den Boden eingelassen, der Wasser aus einem unterirdischen Brunnen am südlichen Ende des Prinzipalmarktes enthält, der vermutlich schon zur Zeit der Wiedertäufer existierte. Knüppel fügte Wasser aus dem Jordan hinzu.

Doch nicht nur die große Historie war es, der sich der oft geruhsam durch die Stadt radelnde Gievenbecker widmete. Offenbar frei von Eile und Hektik, konnte sein Blick in die Tiefe schweifen. So erweckte Adolph Knüppel 1998 den lange Zeit unscheinbar am Rand der Appelbrei­stiege verfallenden Rest eines Wegekreuzes kreativ zu neuem Leben. Der Betonsockel trägt nur noch das Rudiment eines Kreuzes. Mit einer durchbrochenen Edelstahlplatte verhalf Knüppel dem Kruzifix zu ungeahnter Wirksamkeit.

Für sein Gesamtwerk von 1988 bis 2000 erhielt Adolph Knüppel 2001 den Sonderpreis der Umweltpreis-Jury. „Alles vergeht, aber alles findet sich – in welcher veränderten Form auch immer – im Kosmos wieder“, war Knüppel überzeugt.

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