Mi., 13.09.2017

Schauspiel eröffnet Spielzeit im Großen Haus mit „Die Katze auf dem heißen Blechdach“ Was ist an der Wahrheit schlimm?

Spannungsgeladen: Zwischen dem desillusionierten Brick (Joachim Foerster) und seiner kämpferisch optimistischen Maggie (Sandra Bezler) wartet schon die berechnende Mae (Ulrike Knobloch) mit Pfeil und Bogen.

Spannungsgeladen: Zwischen dem desillusionierten Brick (Joachim Foerster) und seiner kämpferisch optimistischen Maggie (Sandra Bezler) wartet schon die berechnende Mae (Ulrike Knobloch) mit Pfeil und Bogen. Foto: Marion Bührle

Münster - 

„Wahrheit, Wahrheit! Was ist daran so schrecklich?“ Sie schmerzt. Möchte man Maggies Frage beantworten.

Von Gerhard H. Kock

„Wahrheit, Wahrheit! Was ist daran so schrecklich?“ Sie schmerzt. Möchte man Maggies Frage beantworten. Den Schmerz umflüchtet eine scheinbar perfekte amerikanische Familie vergebens. Das Schauspiel eröffnet die Spielzeit im Großen Haus mit „Die Katze auf dem heißen Blechdach“ von Tennessee Williams.

Frank Behnke hat bereits drei unbekannte Stücke von Williams erstaufgeführt. Jetzt das Meisterwerk aus dem Jahr 1955, das erstaunlicherweise noch nie am Theater Münster gezeigt wurde. Immerhin war es damals in den USA ein Skandalstück, umkreist es doch Themen wie Sexualität und Tod und wirft zugleich einen entlarvenden Blick auf die Institution Familie.

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Big Daddy ist ein Selfmademan: hat es vom Tramp zum millionenschweren Plantagenbesitzer geschafft. An seinem 65. Geburtstag ist seine ganze Familie da. Alle wissen, es wird sein letzter sein. Nur er nicht. Sein Ältester Gooper nebst Gattin feilscht schon unverhohlen ums Erbe; sein Jüngster Brick fürchtet, als homosexuell zu gelten, und säuft sich um den Verstand. Darunter leidet seine Frau Maggie, die bis zuletzt den Kampf um ihn nicht aufgibt. Sie ist die Katze, die auf dem heißen Blechdach bleibt, solange sie kann.

In seiner Tragik ist Brick für Behnke der „Hamlet des 20. Jahrhunderts“ und Big Daddy weiter als alle anderen, wenn er sagt: „Auf dieser Farm könnte mehr gedeihen als Baumwolle.“ Toleranz ist die Antwort. Das Stück endet nach all den schmerzvollen Offenbarungen offen.

Martin Miotk hat eine Bühne gebaut, die die US-Welt überästhetisiert. Es sei eine „Gefühlslandschaft“ mit gigantischem Horizont und einer Plantagenwelt. Es gibt eine Rodeo-Bühne, die sich drehen kann. Die Verfilmung des Stückes mit Elizabeth Taylor und Paul Newmann ist derart dominant, dass es in der Inszenierung Anspielungen geben wird. Aber: „Ich versuche, ein magisches, surreales Theater zu machen“, so Behnke. Für eine solche „monströse“ Familienschlacht braucht es starke Schauspieler. Behnke: „Mit Wilhelm Schlotterer habe ich eine Idealbesetzung für Big Daddy gefunden.“ Und mit Joachim Foerster stellt sich als sein Sohn Brick auch ein Neuer am Theater vor. In den weiteren Rollen sind Sandra Bezler (Maggie), Ulrike Knobloch (Mae), Carola von Seckendorff (Big Mama), Frank-Peter Dettmann (Reverend Tooker), Christian Bo Salle (Gooper) und Gerhard Mohr (Doktor Baugh) zu sehen.

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Die Premiere ist am Samstag (16. September) um 19.30 Uhr im Theater Münster, Neubrückenstraße 63. Karten: ' 5 90 91 00.

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